<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860</id><updated>2012-02-16T17:52:41.299-08:00</updated><title type='text'>Togo to go</title><subtitle type='html'>Freudige Mitmenschen!
Von August 2008 bis Juli 2009 verbrachte ich mein Freiwilliges Soziales Jahr in Togo. Ich nutze diesen Blog um meine monatlichen Berichte und Bilder möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Ich freue mich über Anregungen und Kritik und wünsche viel Spaß beim stöbern...</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>10</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-6841754421706127630</id><published>2009-06-24T12:35:00.000-07:00</published><updated>2009-08-24T12:36:27.725-07:00</updated><title type='text'>10. Bericht aus Togo, Juni</title><content type='html'>Etwas Afrikanisches&lt;br /&gt;Als ich neulich abends durch mein Dorf ging, waren ungewöhnlich viele Menschen auf der Straße. Es hätte mehrere Morde gegeben, woraufhin ein traditionelles Verhör des verdächtigten Mörders praktiziert wurde. Der Hintergrund: In einer Großfamilie gibt es über einen längeren Zeitraum mehrere bizarre Todesfälle. Es fällt auf, dass ein Mitglied der Familie nie zu den Beerdigungen kommt, und das ist in der Ewe-Kultur, in der Beerdigungszeremonien sehr aufwendig gefeiert werden und viel bedeuten, sehr anstößig. Somit wird dieser Mann verdächtigt, etwas mit den Todesfällen zu tun zu haben, und man befragt die „Fetisheure“, Medizinmänner, denen man seherische und heilerische Kräfte zuspricht, die bestätigen, dass der Verdächtigte ein Mörder sei. So kommt es schließlich zu dem Verhör, bei dem der Beschuldigte völlig entblößt vor der gesamten Dorfgemeinde kniet und gestehen muss. Als schuldig befunden, wird dem Verurteilten am nächsten Tag Urin der dorfältesten Frauen zu trinken gegeben und die Haare abrasiert, damit er als Täter gebrandmarkt ist und aus der Dorfgemeinde verstoßen werden kann.    &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich wurde mal gefragt, ob ich in Togo viel auf Zauberei stoßen würde. In der Tat ist das, was man bei uns als Aberglaube bezeichnen würde, etwas ziemlich alltägliches hier. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man nicht mehr pfeifen, da davon die Dämonen geweckt würden. Bevor man bei Krankheitsfällen in ein Krankenhaus geht, wird auf dem Dorf fast grundsätzlich der bei weitem kostengünstigere Fetisheur aufgesucht, der mit Hilfe von Magie und Naturheilkunde versucht Kranke zu heilen. &lt;br /&gt;Da das Schuljahr mehr oder minder offiziell seit Anfang Juni beendet ist, haben mein Mitfreiwilliger Robert und ich eine kleine Reise in das Nachbarland Benin unternommen. In der historischen Kleinstadt Abomey waren wir auf einem Voodoomarkt. Man sagt, auf einem Voodoomarkt kann man alles kaufen. Wir haben Unmengen von verwesten Affen-, Katzen-, Hunde-, Pferde-, Krokodilköpfen, einen Löwenkopf, einen Nilpferdkopf, alle möglichen Arten von toten wie lebendigen Greif- und Urwaldvögeln, Schlangen, Chamäleons und Schildkröten, Leopardenhaut, Elefantenhaut gesehen. So etwas kauft man seinem Fetisheur, und der zaubert daraus dann irgendetwas. Benin gilt zwar als Voodoohochburg, aber solche Märkte findet man in Togo auch.&lt;br /&gt;Wie so einige andere Male während unserer Afrika-Tourismusreisen haben wir uns nicht nur unglaublich fehl am Platz, sondern auch ein bisschen mulmig gefühlt, wenn uns die Händler nach unseren Bedürfnissen fragten und todernst von der Magie ihrer Tierkadaver sprachen. Damit wir überhaupt irgendeinen offiziellen Grund hatten dort zu sein, habe ich immer nach einem Elefantenkopf gefragt, aber da wir keine Bestellungen aufgeben wollten, wurden wir stets nach Cotonou, einer anderen Stadt im Benin, verwiesen. Unser etwas eigenartiger Hotelbesitzer, der uns zu diesem Markt fuhr, meinte, der Markt wäre wegen der vielen Geister ein gefährlicher Ort für ihn, aber mehr dürfe er uns nicht sagen, weil wir nicht in den Voodookult eingeweiht wären. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was für ein Glück, sagte unser Hotelbesitzer, denn noch am selben Abend würde eine Voodoozeremonie ganz in der Nähe stattfinden, die wir uns ankucken sollten.&lt;br /&gt;Noch auf dem Mototaxi, in Benin wie in Togo erstes öffentliches Verkehrsmittel, wurden wir von den Motorradfahrern gefragt, ob wir rennen könnten. Denn das wäre bei der Zeremonie dringend nötig.&lt;br /&gt;Auf der Zeremonie selbst fanden wir ungefähr fünfzehn aufwendig verkleidete, zum Teil tanzende Menschen, die von gut hundert normalen Menschen umringt waren. Die verkleideten Menschen waren Tote, die auf die Erde zurückgekommen waren, die normalen Menschen waren Schaulustige. Die Verkleideten, bewaffnet mit Stöcken und Peitschen, waren hauptsächlich damit beschäftigt, in die Schaulustigenmenge zu laufen und wild drauf einzudreschen. Das war der Part, wo wir weglaufen mussten. Wenn ein Schaulustiger gefangen war, musste der zahlen oder er wurde geschlagen.&lt;br /&gt;Wir konnten leider keinem der Menschen dort mehr Informationen über dieses Spektakel entlocken, ob sie es nicht wollten oder nicht besser wussten weiß ich nicht. Natürlich kam so ein verkleideter Halbtoter auch bald auf Robert und mich zu und wollte ziemlich viel Geld haben, denn auch Halbtote sind nicht farbenblind. Wir haben uns dann schnell aus dem Staub gemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Benin war ein schöner Abschluss. Wir haben neben Abomey auch noch die Küstenstädte Ouidah und Cotonou bereist. In der sehr angenehmen und ruhigen Kleinstadt Ouidah sind wir die „Route des esclaves“, die Straße, auf der noch  im 19. Jahrhundert zehntausende von Sklaven zum Strand getrieben wurden um verschifft zu werden, entlang gegangen und haben abermals etwas über die Sklavenzeit und die Sklavenhandelsstadt Ouidah erfahren.&lt;br /&gt;Nahe der stinkenden Großstadt Cotonou haben wir das Dorf Ganvié besucht, eines von vielen auf Stelzen erbauten Dörfern auf dem Nokoué-See. Das dort lebende Tofinu-Volk hat sich im 18. Jahrhundert auf der Flucht vor Sklavenhändlern auf diesen See zurückgezogen und Hütten  aus Bambus auf dem Wasser gebaut. Die Menschen leben fast einzig und allein vom Fischfang und man würde sie definitiv als unglaublich arm bezeichnen. „Ah, das Geld kommt“, wurden wir begrüßt und ansonsten skeptisch und böse beäugt. Wir waren dort nicht willkommen und es war äußerst unangenehm, mit der Piroge wie durch einen Zoo zu fahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nun sind wir wieder in Togo in unserer lieben Gastfamilie, verabschieden uns von Freunden, Schülern und Kollegen und packen für Deutschland. Die vergangenen Jahre sind immer schneller vergangen, doch dieses Jahr hat alles getopt. Ich kann es nicht glauben, dass ich in wenigen Tagen wieder in Deutschland sein werde und mein Auslandsjahr in Afrika bereits beendet sein soll.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Schlusswort&lt;br /&gt;Auf der Rückfahrt von Abomey nach Kpalimé, von Benin nach Togo, fuhren wir rund achtzig Kilometer auf härtester Lehmboden-Schlagloch-Piste zusammen mit fünf Afrikanern auf der Ladefläche eines chinesischen Transporters. Während wir gut mal einen halben Meter hoch und auf der Ladefläche hin und her flogen, fuhren wir durch den afrikanischen Busch und abgelegenste Dörfer, in denen ein weißes Gesicht zu einer wahren Sensation zählt und der westliche Drang seinen Körper mit Kleidung zu bedecken noch nicht so verbreitet ist.     &lt;br /&gt;Eine Achterbahnfahrt; doch die fünf Beniner, die für ihren chinesischen „Patron“ und Fahrer des Transporters in Togo Wasserpumpen installieren sollten, waren die Ruhe selbst.&lt;br /&gt;Irgendwie kam mir auf dieser Ladefläche der Gedanke: „Das ist Leben“. Das ist Afrika. Und wir dachten darüber nach, was wir in diesem Jahr so erlebt haben, was wir zurücklassen werden und wie wir uns in Deutschland wohl wieder einleben würden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lasse in Togo nicht nur Freunde, Kollegen und eine sehr liebenswerte Gastfamilie zurück, sondern eine andere Welt. Afrika hat etwas Faszinierendes. Mit Sicherheit gibt es im Amazonas beeindruckenderen Regenwald als das bisschen Buschland in Agou; der Wasserfall in Kpimé ist kleiner als die Niagarafälle; und Abomey ist historisch und kulturell kein Vergleich zu Rom oder Athen.&lt;br /&gt;Ich frage, was man mit Mangos alles machen könne und denke dabei an die vielseitige Verwendung der Äpfel in Deutschland. Nun wir, wir essen sie, was seine Antwort (Gespräch zwischen weißem Arzt und Togoer in „Fufu ist keine Götterspeise“). Vielleicht ist es diese Einfachheit. Die Sorglosigkeit und die Lebensfreude. Die Gelassenheit und der Humor. Die strahlenden, winkenden Kinder.&lt;br /&gt;All die schönen Dinge, die das Leben trotz der tief greifenden Probleme dieses Landes auch bestimmen und im Kontrast stehen zu der schon so festgefahrenen Leidensmentalität.&lt;br /&gt;Weißer, gib mir das Geld. Weißer, ich leide. Was soll man darauf antworten?&lt;br /&gt;Mein ältester Gastbruder (20) ist bereit für Europa. Er ist sich ganz sicher: Sobald sich ihm eine Möglichkeit bietet, ist er weg aus Togo. Er könne in Togo keine seiner Ziele realisieren. Er wird nächstes Jahr sein togosches Abitur absolvieren, doch mit welcher Perspektive? Bauer, Schneider, Taxifahrer, Friseur werden, oder in irgendeiner Form für den Staat arbeiten? Er will selbst Politiker werden und dieses Land verändern.&lt;br /&gt;Ein großes Ziel, aber auch im kleineren Rahmen hat seine Argumentation Inhalt. Auch während der Diskussion über den „kulturellen Austausch“ in meiner Troisième (10. Klasse) wurde mir noch einmal bewusst, dass es doch verdammt ungerecht ist, dass ich ein Jahr lang Erfahrungen in Togo sammeln darf aber kaum einer meiner Schüler jemals europäischen Boden betreten wird. Dass ein Jugendlicher in Deutschland mehr Taschengeld bekommt als mein Gastvater im Monat verdient. Dass mein togoscher Gastbruder nach seinem Abitur aus Mangel an Möglichkeiten nicht weiß, was er aus seinem Leben machen soll, und ich nach meinem Abitur auf Grund vom Überfluss an Möglichkeiten nicht weiß, was ich mit meinem Leben anstellen soll.&lt;br /&gt;Es ist schwierig, die Menschen in Afrika für eine allmähliche Entwicklung in kleinen Schritten zu motivieren, von denen erst ihre Kinder oder gar Enkelkinder profitieren werden, wenn im Norden die große Schwester auf dem High-Speed-Entwicklungsstrahl vorbei rauscht und auf dem Weg ihre verlockenden, nach Wohlstand riechenden Abfallprodukte auf die Schwester im Süden fallen lässt. Ich nehme an, auch in Europa es ist schwierig, nach fast fünfzig Jahren Unabhängigkeit und „Entwicklungshilfe“ bei sehr mageren Fortschritten und zu Zeiten einer Weltwirtschaftskrise weiterhin zu Engagement, Verantwortung und Solidarität in der Entwicklungszusammenarbeit zu motivieren. Europa kann und wird Afrika nicht „entwickeln“. Aber Europa hat das geistige und das finanzielle Potential, gezielt Initiativen zu unterstützen, die einer sensiblen und weitsichtigen Entwicklung förderlich sind. Und mit „Europa“ meine ich auch jeden Einzelnen meiner Leser.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Ich bedanke mich bei allen, die mich dieses Jahr lang begleitet haben, an meinen Erfahrungen teilnahmen oder sich ab und zu mit Grüßen aus der Heimat oder aus anderen Ecken der Welt gemeldet haben. Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen Afrika etwas näher bringen und Interesse wecken. Ich bin überglücklich, die Chance, so wertvolle Erfahrungen in einem afrikanischen Land sammeln zu können ergriffen zu haben und bereue keinen einzigen Tag meines Aufenthaltes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich möchte mich bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken, die mich das ganze Jahr über moralisch unterstützt und beraten haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bedanke mich bei meinen Förderern, die mir durch die finanzielle Unterstützung dieses Jahr ermöglicht haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bedanke mich bei meinem ehemaligen Sportlehrer aus der Oberstufe, ohne den meine Schüler in Togo bis heute mehr Ahnung von den einzelnen Sportdisziplinen hätten als ich, und ohne den ich kaum in der Lage gewesen wäre, Sport zu unterrichten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ich bedanke mich bei Jenen, die nach meiner ersten Email aus Togo dachten was will der denn?...und trotzdem weiter gelesen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich freue mich auf Freunde und Familie, auf gutes Essen, auf Autofahren, auf Internet und Nachrichten, auf keinen Durchfall und auf den Anfang eines neuen Lebensabschnittes als Student.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dem Sinne: Tschüß! Und bis demnächst.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-6841754421706127630?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/6841754421706127630/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=6841754421706127630' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/6841754421706127630'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/6841754421706127630'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2009/06/10-bericht-aus-togo-juni.html' title='10. Bericht aus Togo, Juni'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-1759836100482237322</id><published>2009-05-24T12:31:00.000-07:00</published><updated>2009-08-24T12:35:50.103-07:00</updated><title type='text'>9. Bericht aus Togo, Mai</title><content type='html'>In diesem neunten Bericht geht es neben den aktuellen Geschehnissen um das Thema Entwicklungshilfe. Im Gespräch über „Afrika“ ist dieses Thema unumgänglich, und auch ich habe allerhand Erfahrungen hierzu gesammelt und mir viele Gedanken gemacht.&lt;br /&gt;Es ist ein ziemlich schwieriges und kontroverses Thema, das man von vielen Seiten belichten und analysieren müsste um wirklich reflektiert und begründet schlussfolgern zu können, über das man Bücher schreiben könnte und am Ende wieder am Anfang ist. Dennoch versuche ich hiermit einen Anfang zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Organisation&lt;br /&gt;In Togo gibt es so viele NGOs, die sich einen ganzen Fächer von Entwicklungsbereichen auf ihre Fahne schreiben (so auch CDH); häufig dienen sie aber hauptsächlich als Arbeitsplatz und finanzielle Absicherung für ihre Mitglieder. &lt;br /&gt;„Campagne des Hommes“ heißt die NGO für die ich offiziell arbeite, und deren Hauptjob ist es eigentlich, die Freiwilligen auf Projektkooperationen und Gastfamilien zu verteilen. &lt;br /&gt;Die meisten Freiwilligen sind eher unzufrieden mit CDH. Zum einen, weil unser Chef zu sehr in die eigene Tasche wirtschaften würde, zum anderen, weil unser Chef eigentlich gar nicht unser alleiniger Chef sein sollte, denn in der Verfassung der NGO sind demokratische Strukturen ziemlich genau festgelegt. Da kann aber keiner etwas gegen machen, weil der Chef das Geld aus Deutschland verwaltet und die anderen Mitglieder und Gastfamilien bezahlt, und somit alle von ihm abhängig sind und selbst ein Putsch letztendlich nur dem Ende der Nahrungskette schaden würde, denn der Chef hat schon soweit ausgesorgt, dass er nicht mehr abhängig von CDH ist. Und die zahlende Organisation in Deutschland, die letztendlich auch die Spendengelder meines Spenderkreises an CDH überweist, sagt, solange es uns Freiwilligen gut geht, sind sie glücklich, überhaupt mit einem Partner hier zusammenarbeiten zu können. Wir sollten uns lieber auf den kulturellen Austausch konzentrieren.   &lt;br /&gt;Mittlerweile habe ich das so akzeptiert. Mir geht es gut, ich bin sehr zufrieden mit meinem Job als Sportlehrer, und allgemein engagieren sich alle Freiwilligen in förderungswürdigen Projekten wie Blindenschule, Behindertenschule, Taubstummenschule (…), denen es sonst an unentgeltlichen Arbeitskräften mangeln würde. Man könnte auch argumentieren, dass wir Freiwillige mit unserer bloßen Schulbildung ohnehin gar nicht in der Lage sind, „Entwicklungshilfe“ zu leisten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwicklungshilfe&lt;br /&gt;Dass dies dennoch möglich ist, habe ich vor einigen Monaten auf der Farm eines Freundes gelernt. John hat Forstwirtschaft in Wales studiert und dort für eine NGO gearbeitet, um schließlich in sein Heimatland Togo zurückzukehren und dort eine Musterfarm zur nachhaltigen Landwirtschaft aufzuziehen. Die Idee ist, Aufklärungsarbeit am Beispiel dieser Farm zu leisten, Workshops anzubieten und Alternativen zur schädlichen Landnutzung und Umweltzerstörung, wie der nur kurzzeitig ertragsreichen aber weit verbreiteten und zerstörerischen Brandrodung, der Benutzung von Pestiziden oder der Verschmutzung von Grund- und Flusswasser zu entwickeln. Das Projekt ist noch in der Aufbauphase und die Farm liegt mitten im Busch, wo es ziemlich viel Arbeit und wenige freiwillige Helfer gibt.&lt;br /&gt;Finanzieren tut John das Projekt aus eigenen Ersparnissen und über seine Kontakte in Wales wirbt er um Freiwillige. &lt;br /&gt;John hat uns ziemlich beeindruckt und ermutigt, denn er verkörpert den Typus von Entwicklungshelfer, der unserer Meinung nach in Togo so dringend von Nöten ist: Bildung, Eigeninitiative und Opferungsbereitschaft in seinem Heimatland etwas zu bewegen und zum Positiven zu verändern an Stelle von Resignation und Unterschlagung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ob in Togo, Ghana, Burkina oder Niger; häufig trifft man auf Projekte die aus Europa finanziert werden. In Burkina, laut UN das dritt-ärmste Land der Welt (LonelyPlanet 2006), sind wir auf einwandfreien Straßen gefahren und am Straßenrand standen Schilder die verlauten ließen „von der EU finanziert“.&lt;br /&gt;In einem Nachbardorf von uns in Togo hat sich der togolesische Präsident kürzlich eine Residenz bauen lassen, die ziemlich aus den umliegenden Lehmhütten heraussticht. Als sie noch im Bau war, haben wir uns mit einem Bauarbeiter darüber unterhalten, ob er es nicht auch pervers fändt, dass im ganzen Land eine Brücke nach der anderen einstürzt und einige Hauptverkehrsadern mangels Reparatur nicht mehr befahrbar sind, während der Präsident sich seine Privat-Paläste baut. Der hat uns dann ernsthaft entgegengehalten, dass für die Infrastruktur doch die europäische Union zuständig sei.&lt;br /&gt;Das Europa hilft und Afrika geholfen werden muss, wird als selbstverständlich empfunden. Durch eine solche „Entwicklungshilfe“ scheinen mir aber vielmehr Abhängigkeit und gefühlte Hilfsbedürftigkeit gefördert als Initiativen und Perspektiven geschaffen zu werden. Das ist keines Wegs Hilfe zur Selbsthilfe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie kann also sinnvoll geholfen werden?&lt;br /&gt;Große Probleme Togos sind beispielsweise der Mangel an „good Governance“, also einer demokratischen Regierung die im Interesse der Bevölkerung handelt, und die medizinische Versorgung. Ein wahres Entwicklungshemmnis stellt aber auch die Lethargie und die Resignation der Bevölkerung selbst dar. Basierend auf meinen gesammelten Erfahrungen allgemein und als Lehrer würde ich folgende Gründe dafür nennen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Mangel an Möglichkeiten zur Entfaltung, Förderung und Entwicklung individueller Potentiale (Bildungsmöglichkeiten und -Bedingungen)&lt;br /&gt;2. Mangel an Zielen und Perspektiven, die zur Motivation der unter 1. genannten Begriffe anregen, Initiative und Kreativität wecken und „Entwicklung von Innen“ fördern würden (Mangel an Arbeitsplätzen) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel sollte die Schaffung einer gebildeten, motivierten, kreativen und mental- wie real-unabhängigen Gesellschaft sein. Das ist für mich die Basis für Entwicklungspotential. Im Bereich der Bildung muss also etwas passieren: Schulen und Universitäten müssen unterstützt und Bildung bezahlbar gemacht werden, Bibliotheken und Internetzentren gefördert und Räume zur (Weiter-) Bildung geschaffen werden (Studienzentren). Als Motivation und Perspektive könnten zunächst Stipendien und Austauschprogramme dienen, bei denen Akademiker beispielsweise Arbeitserfahrungen in einem Industrieland sammeln können und der kulturelle Austausch gefördert wird. Denn die Völkerverständigung und die Aufklärung über das Mysterium Afrika unserseits und das Mysterium Europa seitens der Afrikaner ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Entwicklung.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Mein FSJ als Entwicklungshilfe&lt;br /&gt;Schon in meinem Einführungsseminar in Togo im August wurde mir der „Mythos“ von Europa als ein großes Problem erklärt. Europa, da wo das Geld an den Bäumen wächst und es täglich Geschenke regnet. Europa, der Geldgeber und Retter in der Not. Europa, ohne das Afrika nicht überleben oder sich „entwickeln“ kann. Nicht nur in Bartholomäus Grills sehr lesenswerten Afrika-Buch mit dem unansprechenden Titel „Ach, Afrika“ wird es beschrieben; auch in Wirklichkeit bin ich hier schon Menschen begegnet, die die Rückkehr der Europäer nach Afrika, eine quasi Re-Kolonialisierung wünschen. Wird durch „Entwicklungshilfe“, durch Abgaben aus dem reichen Europa in das arme Afrika diese (mentale) Hilfsbedürftigkeit nicht noch gefördert? Wird nicht Eigeninitiative und „Entwicklung von innen“ hierdurch untergraben? Ich bin momentan an einem Punkt an gelangt, an dem ich viele „Entwicklungshilfen“ sehr kritisch betrachte. Meiner Meinung nach wäre es viel sinnvoller, Menschen wie John und ihre Ziele zu fördern als in Burkina Faso Straßen zu bauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine eigene Gastmutter wollte mir par tout nicht abnehmen, dass es auch in Europa arme Menschen gibt. Ob die armen Menschen in Europa denn schwarz wären, hat sie mich dann gefragt. Erst ein paar Fotos von Verwahrlosten Weißen aus dem Internet, die ich ihr als Obdachlose Deutsche verkauft habe, haben sie schließlich überzeugt.&lt;br /&gt;Für die letzten Schulwochen meiner Troisième (ca. 16-26 Jahre) habe ich ein neues Programm angefangen: Inter-kultureller Austausch. Ein weites Thema, mit dem keiner der 60 Zehntklässler auf Anhieb etwas anfangen konnte, das mittlerweile aber unglaublich interessant wird und auch mir viele neue Erkenntnisse und Fragen liefert. Ich zitiere meine Schüler: Wenn ich einen Weißen auf der Straße sehe,…&lt;br /&gt;…möchte ich weiß sein&lt;br /&gt;…frage ich mich, warum Gott meine Haut schwarz und seine weiß gemacht hat&lt;br /&gt;…denke ich: Es waren sie, die unsere Großeltern gekauft haben&lt;br /&gt;…frage ich mich, wann auch wir, die Schwarzen, in ihrem Land sein dürfen&lt;br /&gt;…möchte ich sein Freund werden&lt;br /&gt;Was ich Monsieur Lennart schon immer einmal Fragen wollte:&lt;br /&gt;…ob man in Europa wirklich denkt, dass die Afrikaner Affen wären&lt;br /&gt;…was er denkt, wenn er einen Schwarzen leiden sieht&lt;br /&gt;…ob ein Schwarzer in Europa Weiße unterrichten könnte&lt;br /&gt;…ob Macht vererbbar ist&lt;br /&gt;…ob Monsieur Lennart Kinder hat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gut ich kann, versuche ich Aufklärungsarbeit über Europa zu leisten, aber manchmal kann ich den Ansprüchen meiner Schüler kaum gerecht werden, weil ich keine Antwort weiß. Das freut mich dann trotzdem, denn letztendlich habe ich das Gefühl, Interesse und Kreativität geweckt und schlichtes Nachdenken gefördert zu haben, was die Schüler in anderen Fächern, wo es nur um abschreiben und auswendig lernen geht, weniger gewohnt sind. Das ist ein kleiner Schritt vorwärts und vielleicht mag man so etwas ja auch als Entwicklungshilfe bezeichnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktuelles&lt;br /&gt;Hier ein Bruch und ein paar Infos darüber, was in der letzten Zeit so passiert ist.&lt;br /&gt;Freund Steffen und Freund Christian waren für zwei Wochen zu Besuch, in denen wir viel erlebt haben. Touriprogramm waren Wasserfall, Buschwanderung, Bergbesteigung, Besichtigung eines Kolonialschlosses, Markt, Lomé, Kpalimé und Agou, eine Runde Paragliden für Christian (und für den Rest nicht, denn da wart der Wind zu stark) und Momos Trommelgruppe. Meinen Gastvater aka „Arbeitstier“ Theo haben wir auf sein Feld begleitet, wo die beiden sich mit dem Coupcoup (Machete) auspowern konnten und ordentlich Blasen an den zarten Yovo-Händen eingefangen haben, sodass sie abends leider kein Fufu mehr stampfen konnten. In meinen Unterricht haben sie mich begleitet; im Kindergarten war nur Steffen mit, weil Christian diesen aus Angst vor Typhus ablehnte. Viel afrikanische Pangne(Stoff)-Kleidung haben sie sich schneidern und Stühle von Momo (Freund und Begleiter der ersten Reise) schnitzen lassen, wobei Christian mit dem Resultat des von ihm selbst ausgewählten „Lübi-Lübi“-Motifs  nicht recht zufrieden war, denn laut Momo ist der „Lübilübi“ ein Tier mit einer langen Rüsselnase, das flügelschlagend mit den Achseln Ameisen fressen sollte, letztendlich glich es aber eher einem Krokodil. Gerechterweise haben die beiden auch den togolesischen Durchfall kennengelernt, unter dem eigentlich alle Freiwilligen die meiste Zeit über leiden. &lt;br /&gt;Neunzehn Paar Sport- und Fußballschuhe sind bei der Spendenaktion zusammenbekommen; dafür bedanke ich mich sehr herzlich im Namen meines Collèges bei allen Spendern und Spenderinnen, namentlich besonders beim größten Spender und renommierten Spaßkicker-Club „Dynamo Heimfeld“. Mein Schulleiter betet für euch.&lt;br /&gt;Sowohl Unabhängigkeitstag (27. April) als auch der Tag der Arbeit fielen in die Aufenthaltszeit meiner Besucher, sodass wir auch diese Festlichkeiten gemeinsam genießen konnten. Am Unabhängigkeitstag sind, ähnlich wie am Jahrestag der Machtübernahme der bis heute regierenden Partei RPT (13. Januar 1967), tausende von togolesischen Schülern, darunter auch meine, Gewerkschaften, Zünfte und andere Vereinigungen in Reih und Glied im Gleichschritt vor den Regierenden marschiert. Eine große und eindrucksvolle Parade die meiner Meinung nach mehr an Kindersoldaten als an Unabhängigkeit erinnert.&lt;br /&gt;Der 1. Mai hingegen war eine große Party, die wenig politisch motiviert schien. Ein kleiner Marsch einiger Beamteten, an dem auch wir teilnahmen, hin zum Ort der Feier; eine Rede, in der den Regierenden für die Feier gedankt wird; eine Rede der Regierenden darüber, dass nun alles besser wird. Und dann wurde freudig gespeist und gesoffen, jede Branche für sich (Schneiderinnen, Friseuse, Lehrer), dröhnende Musik aus den obligatorischen Lautsprechern und parallel Blas- und Trommelmusik und schließlich gemeinsam getanzt. Eine Bombenatmosphäre, für die ich Afrika lieben gelernt habe. &lt;br /&gt;  &lt;br /&gt;Am 6. Mai hatte meine Troisième (10. Klasse) ihre Sportabschlussprüfungen in den Disziplinen Ausdauerlauf, Weitsprung und Kugelstoßen. In den Wochen vor den Examen hatte ich einige Wochenenden geopfert um mit den Schülern zu trainieren, wobei ich auf ungekannte Motivation, Ehrgeiz und Prüfungsangst meiner Schüler gestoßen bin. Ein Schüler hat sich drei Tage vor dem Prüfungstag beim Weitsprungüben ziemlich mies seine Kniescheibe aus der Verankerung geschlagen, sodass der für längere Zeit – wenn überhaupt wieder – kein Sport mehr machen kann, geschweige denn an den Examen teilnehmen konnte.&lt;br /&gt;Laut dem unsympathischen Prüfungschef waren alle meine Schüler eine halbe Stunde zu spät, denn spontanerweise hätte die Prüfung bereits um 6:30 und nicht erst um 7:00 beginnen sollen. Nach einigen Schuldzuweisungen zwischen Prüfungschef und meinem Schulleiter hat man sich schließlich darauf geeinigt, dass die Schüler selbst an allem Schuld sind und wollte die Hälfte zunächst durchfallen lassen, aber mit viel Lachen und Schleimen und Rumshakerei durften doch alle die Prüfung absolvieren. Schlechte Leistungen wurden konsequent von Prüfern und Kollegen beschimpft oder herablassend belacht, während ich die Entmutigten wieder zu motivieren versuchte. Bei den Ergebnissen haben die Prüfer eine Menge nach oben korrigiert; zum einen, da die 1982 in Frankreich entworfenen Bewertungsskalen, nach denen auch ich im Unterricht bewerten sollte, kaum zu bewältigen sind, zum anderen, um die Ergebnisse der Schulen ihres Zuständigkeitsbereichs vor ihren Vorgesetzten in gutes Licht zu rücken. Damit werden die Endnoten meiner Schüler ziemlich willkürlich sein und kaum ihre wahre Leistung widerspiegeln. Wie so oft hier wird sich nicht an Regeln gehalten, es wird gefeilscht und betrogen, Verantwortung von sich gewiesen und man fügt sich dem Stärkeren. Und dabei immer lachen. Denn es ist alles ein großer Witz.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-1759836100482237322?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/1759836100482237322/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=1759836100482237322' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/1759836100482237322'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/1759836100482237322'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2009/08/neunter-bericht.html' title='9. Bericht aus Togo, Mai'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-6516507645342850941</id><published>2009-04-21T08:43:00.000-07:00</published><updated>2009-04-21T08:45:49.426-07:00</updated><title type='text'>8. Bericht aus Togo, April</title><content type='html'>Zum Ende des zweiten Trimesters sind wir in den kurzen Trimesterferien noch einmal gereist, diesmal unser neuer Mitfreiwilliger Jannis, Robert und ich. Über Benin, denn dort gibt es befahrbare Straßen, ging es nach Niger, vom Niger nach Burkina Faso (schon mal gehört?) und von dort wieder zurück nach Togo. &lt;br /&gt;Für mich ging es zunächst allein noch einmal nach Accra (Ghana), wo ich einen TOEFL-Test (Englisch-Sprach-Test) gemacht habe, denn der ist von einigen Universitäten gefordert. Nach einem Drei-Viertel-Jahr Togoaufenthalt war ich es allerdings wirklich nicht mehr gewohnt, mich über vier Stunden am Stück zu konzentrieren und durch so einen Leistungstest zu stressen. Schrecklich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niger&lt;br /&gt;Nach dem Test habe ich mich mit Jannis und Robert in Lomé (Hauptstadt Togos) getroffen und wir sind in 26-stündiger Busfahrt bis nach Niamey, der Hauptstadt des Nigers durchgefahren. Im Niger wurde 2003 die Sklaverei verboten und es ist nach UN-Statistiken (HDI, HPI, GDI) das ärmste Land der Welt (LonelyPlanet 2006).&lt;br /&gt;Da wir für die gesamte Reise nur sehr wenig Zeit hatten, haben wir nur die Hauptstadt Niamey besucht. Niamey ist völlig untouristisch und so heiß und trocken, dass man kein Schweiß mehr auf der Haut hat, der verdampft sofort. Seit acht Monaten hat es nicht mehr geregnet und in der Sonne muss es so um die 50°C gewesen sein. Weder die Busfahrt noch das Klima in Niamey war so richtig angenehm, aber es war dennoch ein interessantes Reiseziel.&lt;br /&gt;Die große Armut hat sich für uns nur in der großen Zahl bettelnder Kinder bemerkbar gemacht. Vielmehr waren wir von der Sauberkeit und der relativen Idylle dieser Hauptstadt überrascht: Kaum Müll, kein allzu lärmender Verkehr, die Straßen schienen gut organisiert zu sein, der große Markt war weder stinkig noch verdreckt. Kamele gehören zu den traditionellen Transportmitteln. Auffällig für uns war die Ethnie der Tuareg, die sich nicht nur kulturell sondern mit ihrer helleren Haut auch farblich von der schwarzen Bevölkerung unterscheidet. Diese aus der Sahara stammenden Nomadischen Viehzüchter stellen eine Minderheit in der Bevölkerung dar, kämpfen seit langem um ihre Rechte und scheinen vom Rest der Bevölkerung diskriminiert zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Attraktion waren die letzten in Freiheit lebenden Giraffen Westafrikas, außerhalb der Stadt in der Savanne. Die Herde ist in den letzten Jahrzehnten von rund 3000 Tieren auf 150 Exemplare geschrumpft. Diese sehr eleganten Tiere in aller Ruhe und Freiheit an den Akazienbäumen der Steppe nagen zu sehen war sehr beeindruckend. Gleichzeitig hat es daran erinnert, wie wenig von dem ursprünglichen Reichtum an Wildtieren in Afrika noch übrig ist; in Togo gibt es solche längst nicht mehr. Man fragt sich auch ob es wichtiger ist, die fruchtbaren Böden den Menschen vorzubehalten und deren Überleben zu sichern (Im Niger gab es 2005 eine große Hungersnot), oder ob es wichtiger ist, diese Lebensräume den letzten Wildtieren zu lassen und die Artenvielfalt und das Ökosystem zu schützen. &lt;br /&gt;Meinen ersten und wahrscheinlich letzten Löwen in Afrika habe ich in dem kleinen an das Nationalmuseum angebundenen Zoo entdeckt, wo eine ziemlich große Artenvielfalt (Flusspferd, Hyäne, Strauß,…) in ziemlich grauenvollen Verhältnissen in kleine Käfige eingesperrt waren.&lt;br /&gt;Fast die gesamte Bevölkerung des Nigers ist muslimisch und wir wohnten bei einem Freund (ein ehemaliger Freiwilliger aus Kpalimé) zusammen mit sechs anderen Schwarz-Muslimen. Eine abermals andere Erfahrung als in der hauptsächlich christlichen Region um Kpalimé in Togo. Ich habe mich immer gefragt, wie ein Slogan wie „Islam ist Frieden“ und zwei Flugzeuge in zwei Türmen unter einen Hut passen können, und ich habe mich mit einem unserer Gastgeber ausführlich über den Dzihad, den „heiligen Krieg“ wie er oft übersetzt wird, unterhalten. Unglaublich interessant und zu umfangreich um es hier wieder zugeben, aber ich bin mir sicher, dass wir viel zu wenig über den Islam wissen, als dass wir ständig von und über Islamisten und Terroristen reden sollten. Und dass, obwohl Muslime auch in Deutschland bei weitem keine Seltenheit sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Burkina Faso&lt;br /&gt;Nach abermals langer Bustour erreichten wir unser zweites Reiseziel, die Hauptstadt Burkina Fasos mit dem offiziell coolsten Hauptstadtnamen der Welt „Ouagadougou“.&lt;br /&gt;Statistisch geht es den Burkinabé besser als den Nigrer, Burkina war laut UN 2005 nur dritt-ärmstes Land der Welt (LonelyPlanet 2006). Im Kontrast dazu steht das ehrgeizige Projekt an Stadtplanung, dass in den letzten Jahren in Ouagadougou realisiert wurde und in das scheinbar stark investiert wird. Hier habe ich meine ersten Linienbusse und Bushaltestellen in Afrika gesehen, Taxis mit funktionierenden Tachos, Kreisverkehre, Fahrradwege und Straßenbeleuchtung. Sogar öffentliche Thermometer gab es, die 48°C anzeigten. Ein imposantes Betongebilde im Zentrum soll der neue Markt werden, bei Nacht lassen sich manche Viertel nicht von einer europäischen Großstadt unterscheiden. All dies hat bei uns den Eindruck vermittelt, dass es in Ouaga läuft. Was macht Togo bloß falsch?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit 1969 zum ersten Mal das Pan-Afrikanische Filmfestival Fespaco stattfand, hat sich nicht nur dieses Filmfestival sondern auch die Filmindustrie zu einem Bestandteil der Kultur Burkinas entwickelt. So haben auch wir hier unser erstes afrikanisches Kino unter freiem Himmel besucht und einen burkinabéschen Film gekuckt. Interessant.&lt;br /&gt;Außerdem aufgefallen sind uns die zahlreichen schlanken und sehr hübschen Frauen Ouagadougous, die sowohl im Kontrast zu Accra, wo man fast nur übergewichtige Frauen sieht, als auch zu Niamey, wo man gar keine Frauen sieht weil die von ihren Männern im Haus gehalten werden, standen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewohnt haben wir bei zwei Franzosen, die ebenfalls ehemalige Freiwillige aus Kpalimé waren. Eine massive Kathedrale, eine Moschee, ein ausgetrockneter Park und ein Tümpel worin man kleine Krokodile suchen kann gehörten zu unseren Hauptbesichtigungen. Um Ouagadougou wirklich kennenzulernen oder die Umgebung erkunden zu können, hätten wir mehr Zeit gebraucht.&lt;br /&gt;Auf unserer Reise hat sich die Landschaft von dem tropisch-saftigen grün Kpalimés in trockenste Dornstrauchsavanne verwandelt und aus dem Bus heraus haben wir ein paar schöne, weite Landschaften gesehen. Dennoch trifft der Begriff „öde“ manche Landschaftsstriche wohl am besten und bei den zusätzlich enormen Temperaturen kann ich beim besten Willen nicht von angenehmen Lebensumständen sprechen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was sonst noch so passiert:&lt;br /&gt;Mein Collège hat die Collègemeisterschaft von Agou (alle Dörfer, die am Mount Agou liegen) gewonnen, ist dann aber im großen Finale gegen den Lycée-Meister gescheitert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist schon etwa her, da haben wir zwei schwedische Brüder bei uns beherbergt, die wir zufällig in Lomé aufgegabelt hatten. John und Philip sehen aus wie Yetis, die mit Zelt und Iso-Matte durch Westafrika trampen. Mit ihren Bärten, den abgewetzten Klamotten und ein paar Stories auf Lager scheint das auch zu klappen, sie würden versuchen mit umgerechnet drei Euro pro tag aus zu kommen. Ursprünglich war ihr Plan die Sahara von West nach Ost zu durchqueren, doch als sie merkten, dass dies eine ziemlich lange Strecke ist, haben sie im Niger einen Bogen Richtung Süden gemacht und wollten entlang der Küste bis in den Senegal und von dort aus zurück nach Schweden fliegen. Von Togo aus hat es Philip leider nur noch bis nach Accra geschafft. Er hatte 15kg verloren und war mittlerweile so krank und erschöpft, dass er von dort zurück geflogen ist. John müsste bald im Senegal ankommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir geht es weiterhin sehr gut und heute sogar noch besser, denn ich darf gleich zwei Freunde am Flughafen von Lomé begrüßen, die ich seit neun Monaten nicht mehr gesehen habe. Ich hoffe allen geht es gut und dass der Osterhase viele Eier versteckt hat. Hier hat er es jedenfalls nicht, aber das macht nichts.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-6516507645342850941?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/6516507645342850941/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=6516507645342850941' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/6516507645342850941'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/6516507645342850941'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2009/04/8-bericht-aus-togo-april.html' title='8. Bericht aus Togo, April'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-7300599132862381375</id><published>2009-02-10T07:32:00.000-08:00</published><updated>2009-03-10T07:39:29.616-07:00</updated><title type='text'>7. Bericht aus Togo, Februar</title><content type='html'>Nichts war, nichts wird sein; alles ist, alles hat Wesen und Gegenwart’. Siddharta sprach mit entzücken, tief hatte diese Erleuchtung ihn beglückt. Oh, war denn nicht alles Leiden Zeit, war nicht alles Sichquälen und Sichfürchten Zeit, war nicht alles Schwere, alles Feindliche in der Welt weg und überwunden, sobald man die Zeit überwunden hatte, sobald man die Zeit wegdenken konnte? (Hermann Hesse: Siddharta)&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;  &lt;/span&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ja, ist das so?&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn die Fußballer meiner Collège-Mannschaft völlig routinemäßig 1-2 Stunden zu spät zum Training kommen, und auf eine „pourquoi?“-Nachfrage konsequent mit „Non, Monsieur“ antworten, dann haben sie sich vielleicht erfolgreich die Zeit weggedacht.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Letzten Samstagmorgen stand ich – wie am Freitagabend vom Coach vorgeschlagen und mit mir (quasi Coachassistent) dem Team verabredet – um 5:30 in aller Dunkelheit auf dem Sportplatz. Alleine. Als so um sechs die Spieler nach und nach und schließlich auch der Coach kamen, meinte dieser, als er um 5:30 rauskuckte, sei es noch dunkel gewesen, da hat er sich glatt noch mal schlafen gelegt. Good point, hätte ich auch so machen sollen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Im Moment ist Fußballhochsaison in der Schulmeisterschaft, und ich bin jede Woche drei Nachmittage fast vier Stunden beim Training meiner Mannschaft und muss deren Spiel analysieren. Was ich eigentlich genau so wenig kann wie Kugelstoßen, meine momentane Disziplin in meinen Sportklassen, aber das ist egal.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In diesem siebten Bericht ziehe ich nun ein Zwischenfazit über mein FSJ in Togo.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Land und Leute&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;„Togo is very easy-going and peaceful“, haben mir ein paar nigerianische Austauschstudentinnen am Strand in Lomé gesagt. Das trifft es für mich eigentlich schon auf den Punkt. Die Lebensfreude, mit der mir die Togoer begegnen, ihr Humor und ihre Gelassenheit lassen sich in Deutschland nicht finden. Vielleicht liegt das daran, dass wir uns nie die Zeit wegdenken. Irgendwo ist mein FSJ auch eine Auszeit aus dem vergleichsweise stressigen Alltagsleben von Zuhause, in der ich die Zeit und die Ruhe finde, zu mir zu kommen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die schweren Probleme dieses Landes fallen deshalb oberflächlich gar nicht so auf. In Togo habe ich noch keine extremen Reichen- und Armenviertel gefunden, keine moderne „Elite“ neben einer verslumten Unterschicht. Dies scheinen mir Probleme zu sein, mit denen andere afrikanische Staaten wie Südafrika oder Nigeria oder lateinamerikanische Entwicklungsländer, die offiziell als „entwickelter“ als Togo gelten, zu kämpfen haben. In diesem Zusammenhang frage ich mich auch, ob Togo in der Entwicklung wirklich hinter diesen Ländern liegt, oder ihnen (noch?) etwas voraushat. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In meinem Motivationsschreiben von 2007 für ein FSJ in einem Entwicklungsland hatte ich geschrieben: „Ich möchte mich explizit mit der Armut auf dieser Welt konfrontieren, um einen differenzierteren und begründeten Blickwickel auf diese Welt, auf unsere reiche, westliche, sowie auf die ärmere Welt zu bekommen.“ An diese „Konfrontation“ werde ich in Togo sehr sensibel herangeführt. Die erwartete psychische Belastung durch gewaltige Wohlstandsunterschiede oder grauenhaftes Elend sind bislang noch ausgeblieben.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Es klang auch für mich immer schrecklich „arm“, wenn ein ganzes Dorf ohne fließend Wasser lebt. Nun lebe ich selbst so, und selbst als verwöhnter Europäer ist das überhaupt kein Problem. Man gewöhnt sich schnell und problemlos an Plumsklo und Eimerdusche mit Wasser aus dem nächsten Brunnen aus der Nachbarschaft; das ist nicht schlimmer als in Deutschland mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Das geht nicht nur mir so, sondern allen weißen Freiwilligen, die hier so leben und denen ich über den Weg gelaufen bin.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Heute frage ich mich viel mehr: Was ist Armut, und gegen welche Armut muss etwas unternommen werden? In einem Zeitungsartikel habe ich gelesen: „Bis zum Jahr 2015 soll die weltweite Armut halbiert sein - so haben es die Regierungschefs dieser Welt versprochen.“ Wer sich solche großen Ziele setzt, sollte sich vorher gut überlegen, was er damit meint…&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ich sehe Togo als ein Land mit großem Entwicklungspotential, dessen Realisierung jedoch ein sehr langwieriger, sensibler und komplexer (und teurer!) Prozess ist und eben deshalb auch so schwierig zu fördern ist. Auch hier gibt es Leute, die morgens zwar nichts zu essen finden aber ein chinesisches Handy mit TV, Internet und sonstigem hochmodernen Schnickschnack besitzen. Kinder (und Erwachsene!) kucken lieber schlechte französische Soaps auf alten Fernsehern mit miserabler Qualität (insofern sie einen haben), als mal ein Buch zur Hand zu nehmen (wenn sie denn eines hätten). im Internetcafé sieht man Jugendliche, die ihr Taschengeld für eine Stunde im Internet gespart haben und dort auf höchst ominösen Websites navigieren; in Lomé werden einem an jeder Straßenecke europäische Pornos angeboten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Aber allgemein ist Togo noch ein eher unverdorbenes und „ursprüngliches“ Land. Der Umgang mit internationalen Einflüssen, die Transformation von der Ursprünglichkeit in die Moderne oder eine wünschenswerte Koexistenz von beidem, ist meiner Meinung nach die Herausforderung schlechthin an ein Land wie Togo. Und ihm bleibt auch leider keine andere Wahl, denn mit der Globalisierung nehmen die internationalen Einflüsse weiterhin zu. Und es muss schnell gehen. Wie will Afrika sonst jemals einen Einstieg in die sich rasch verändernde Moderne finden…? Aus die Maus, Siddharta…&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style=";font-size:100%;color:black;"  &gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style=";font-size:100%;color:black;"  &gt;Arbeit / Projekte&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style=";font-size:100%;color:black;"  &gt;Müllprojekt&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style=";font-size:100%;color:black;"  &gt;Das von ehemaligen Freiwilligen initiierte Müllprojekt, für dessen Umsetzung die Freiwilligen meiner Generation UND meine Association Campagne des Hommes, für die ich offiziell arbeite, verantwortlich seien sollte, war für die hiesigen Verhältnisse erfolgreich. Es liegen wohl immer noch einige Mülleimer im Hauptsitz CDHs für ihre Platzierung bereit, aber keiner meint sich darum kümmern zu müssen und aus unserem Dorf Agou lässt sich da auch nicht viel bewegen. Dennoch scheinen die ca. dreißig installierten Mülleimer in Kpalimé viel genutzt und mittlerweile auch regelmäßig von der Stadtverwaltung mit einem kleinen Trecker geleert zu werden. Außerdem habe ich mit Freude und Erstaunen festgestellt, dass nun die Verwaltung Kpalimés selbst angefangen hat, qualitativ viel hochwertigere Mülleimer in ganz Kpalimé aufzubauen. Vielleicht hat ja unser Mülleimerprojekt zu dieser Initiative mit beigetragen. Wäre dies der Fall, ließe sich definitiv von einem vollen Erfolg des Projektes sprechen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style=";font-size:100%;color:black;"  &gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jardin d’enfants&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ich arbeite neben der Schule immer noch im Kindergarten unseres Dorfes, der eher einer Vorschule in Deutschland gleicht. Die Kinder lernen dort Punkte, Striche und Kreise zu malen, viele haben wohl das erste Mal in ihrem Leben einen Stift in der Hand. Außerdem lernen sie ihre ersten französischen Worte, denn zu Hause wird meist nur Ewe gesprochen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Das Projekt besteht erst seit zwei Jahren und wurde mit von CDH aufgebaut und finanziert. Die Kindergärtnerin macht ihre Arbeit sehr gut und kriegt weniger als einen Hungerslohn im Monat; nichts im vergleicht zu dem Gehalt unseres Gastvaters von ~55€ im Monat. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wir Freiwilligen wechseln uns mit der Arbeit dort ab, aber leider ist keiner von uns allzu engagiert dabei, da wir vormittags grundsätzlich durch unsere Arbeit am Collège und nachmittags momentan durch das Fußballtraining ausgelastet sind. Ansonsten wäre der Jardin eine gute Möglichkeit Ewe zu lernen, dann könnte man die Kindergärtnerin auch sinnvoller unterstützen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn ich manchmal für kurze Zeit allein mit den Kindern bin, bricht Krieg aus. Mit meinen stark begrenzten Ewekenntnissen kann ich nichts anderes machen als hilflos zukucken oder mitkloppen, denn wenn ich einmal versuche einzugreifen, denken die Kinder freudig, ich würde nun beim Krieg mitspielen. Allgemein behandeln die Kinder mich dort ohnehin als ein kleines Weißes Maskottchen. Ab und zu wird mal nachgeprüft ob ich noch da bin, man streichelt oder haut mich eine Runde, dann widmet man sich wieder seinen eigenen Angelegenheiten. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sehr deutlich wird im Jardin d’enfant, dass es „Erziehung“, wie wir sie in Deutschland gewohnt sind, in der togoischen Familie nicht gibt. Selbst in unserer lieben und eher fortschrittlichen Gastfamilie, hört man nie „das ist hast du gut / schlecht gemacht, weil…, das sollst du (nicht) machen, weil…“; dafür wird den Kleinsten ständig an den Kopf geschmettert „Je vais te tapper“ [= ich werde dich schlagen), was aber fast nie umgesetzt wird.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Collège&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Meine Arbeit als Sportlehrer ist nach wie vor meine Hauptbeschäftigung. Ich unterrichte eigenständig und alleine, einzige Vorgabe sind die sechs Disziplinen Sprint, Ausdauer, Seilklettern, Kugelstoßen, Weit- und Hochsprung. Es ist übrigens eine einmalige Möglichkeit für alle angehenden Lehramtsstudenten, sich in diesem Beruf zu testen. Die Arbeit macht sehr viel Spaß und ist herausfordernd. Wie wohl in jedem Lehrerberuf liebt man seine Schüler manchmal, wenn sie aus gar keinem sichtbaren Grund sich plötzlich alle 60 drei Runden in Reih und Glied einlaufen, und hasst sie manchmal, wenn man unter Zeitdruck ist und schon wieder drei Viertel des Kurses wegen Undiszipliniertheit für Umziehen und Appell draufgehen und drei pubertierende Idioten sich immer noch irgendwo am Horizont mit anderen Dingen als seinem Unterricht vergnügen. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Mein Unterricht ist manchmal auch mit einer guten Portion Schauspiel verbunden, in dem ich meine Unwissenheit durch Entschiedenheit oder eine gute Mischung aus Ernst und Humor versuche zu überspielen. In manchen Situationen kann ich mich auch ehrlich besser mit meinen Schülern identifizieren und würde mich lieber vor Lachen mit ihnen unter den Tisch schmeißen, als mit ernster Miene irgendeinem Blödsinn autoritärerer Lehrkräfte zu lauschen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Fast in jeder meiner Sportstunden, in denen ich meine Schüler während der Einheit „Resistance“ ihren Ausdauerlauf machen lasse, kippt ein Schüler um oder hat Magenkrämpfe, daran habe ich mich mittlerweile schon gewöhnt. Weil sie am Morgen nichts zu essen gefunden hätten, sagt mein Kollege, ein Englischlehrer, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Neulich hatte eine meiner kleinsten Schülerinnen so etwas wie einen epileptischen Anfall, dem war ich wirklich nicht mehr gewachsen. Nach reichlich Geschrei, Krampf und Sabber ist sie dann auf dem Weg zum Krankenhaus wieder aufgewacht und konnte sich an nichts mehr erinnern. Was es genau war weiß keiner und eine Analyse wäre zu teuer. Die macht auf jeden Fall keinen Sport mehr bei mir.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ich habe das Gefühl, für meine Schüler nicht mehr bloß weiß, sondern ihr Sportlehrer zu sein und als solcher auch ernst genommen zu werden. Auf den Lehmwegen meines Dorfes werde ich fast nur noch mit „Bonsoir, Monsieur“ und nicht mehr mit „Yovo, Yovo“ begrüßt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Meine Schüler würden immer noch denken, ich wäre 35-jähriger studierter Sportlehrer aus Europa, sagt mein Kollege. Das ist wohl der Hauptgrund dafür, dass selbst Schüler, die eigentlich älter sind als ich, mich überhaupt respektieren und Unterricht möglich ist.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Es ist schon eigenartig, dass ich zwanzigjähriger Abiturient hier den Titel „Professeur“ du Sport tragen darf, für den man selbst in Togo eigentlich studiert haben muss und den nicht einmal mein Gastvater als Grundschullehrer innehat.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Probleme&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dass ich nicht mit Geschenken auf der Straße um mich schmeiße, obwohl das übrigens viele Einheimische (vor allem Kinder) penetrant von einem verlangen, ist klar. Aber die gefährliche „Geberrolle“ des Weißen, vor der man immer so eindringlich gewarnt wurde, ist tatsächlich eine schwierige Angelegenheit. Denn wer einmal gibt, gibt immer. Und wer einem gibt, muss allen geben. Und das geht nicht.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Meine gesamte Fußballmannschaft hat nach einem „Übernachtungscamp“ vorm Spieltag nicht gemeinsam frühstücken können (Maisbrei), weil sie das Geld nicht zusammenbekamen. Alles zusammen wären das umgerechnet keine 5 Euro gewesen. Hätte ich ihnen das bezahlt, wäre ich wohl auch in Zukunft klarer Geldgeber in solchen Situationen und Schüler und Lehrer würden mich als solchen hochleben. Gleichzeitig würde es wieder viele Stereotypen des ungerecht reichen Weißen rechtfertigen und Neid und Missmut über die eigene Situation wecken. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ursprünglich hatte ich den Wunsch, möglichst viel Kontakt zu Schwarzen, möglichst keinen Kontakt zu Weißen zu haben und mich so weit wie möglich in eine Dorfgemeinde oder ähnliches zu integrieren.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In Kpalimé leben zeitweise rund dreißig weiße Freiwillige, die sich zum Teil auf den Füßen stehen. Hier auf dem Dorf ist das zum Glück nicht so, aber auch in meiner Gastfamilie sind wir stets zu dritt. Ich hatte damit hier nie ein Problem. Schwarze lernt man so oder so viele kennen, und es ist gut seine Erfahrungen mit anderen Freiwilligen hier teilen und sich gegenseitig austauschen zu können. Nichtsdestotrotz, ist es der Integration nicht förderlich, und ich fühle mich oft mehr Teil eines kleinen weißen Klüngels als eines kleinen schwarzen Klüngels. Ist vielleicht auch natürlich.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Am Ende unserer Reise im Januar haben wir im Norden Togos einen Abstecher in die Universität von Kara (zweite Universität von Togo, neben Lomé) gemacht. Da wurde uns vor Augen geführt, dass es schon einen gewaltigen Unterschied macht, ob mein Gesprächspartner zwanzig ist und an der Uni studiert, oder ob mein Gesprächspartner ein 25jähriger Rasta ist der jeden Weißen gleich zu Beginn des Aufenthaltes stürmisch und euphorisch mit „Mon ami“ etc. auf den Straßen von Kpalimé beschlagnahmt. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Letzteres hat man in Kpalimé zu Häufe, ersteres hat man in Kpalimé gar nicht, da es nun mal keine Universität gibt. Ein gesunder Mix aus beidem wäre angenehmer, dann könnte man sich auch mal mit Schwarzen in meinem Alter etwas tiefgründiger über kulturelle Unterschiede oder Politik auseinandersetzen. &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Fazit&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Das mir vor meinem FSJ entgegengehaltene Vorurteil „In Afrika schlagen sie sich doch alle die Köpfe ein“ hat sich bisher nur im Jarin d’enfants bestätigt. Man übersieht leicht, was für ein großer Kontinent Afrika ist und kann die wenigen medialen Informationen über Krisenherde wie Somalia oder Kongo, die häufig unsere einzigen Assoziationen mit diesem Kontinent ausmachen, nicht als „Afrika“ abstempeln.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Auch im Vergleich zu anderen FSJlern, deren Rundberichte ich regelmäßig bekomme und lese und die ebenso wertvolle Erfahrungen machen wie ich, bin ich froh, mich für den afrikanischen Kontinent entschieden zu haben, für das kleine Land Togo, und schließlich nahe einer Kleinstadt in einem Dorf zu wohnen und nicht in einer Großstadt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In erster und zweiter Gastfamilien wurde ich mit großer Freude und Herzlichkeit aufgenommen und ich lebe das afrikanische Familienleben aktiv mit. Meine beiden Gastväter sind mir gute Freunde geworden und mit ihnen lässt sich immer und interessant über Politik, Probleme oder das Wetter reden und diskutieren. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoBodyText"  style="font-family:arial;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Erfahrungen, die ich hier sammle, sind einzigartig und durch nichts ersetzbar. Bis Juli 2008 hatte ich keine Ahnung, was mich in Afrika erwarten würde. Nun bin ich mir sicher: Wenn ich irgendwelche Erwartungen hatte, dann wurden sie hier sogar übertroffen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;span style=";font-family:&amp;quot;;font-size:12;"  &gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-7300599132862381375?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/7300599132862381375/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=7300599132862381375' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/7300599132862381375'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/7300599132862381375'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2009/02/7-bericht-aus-togo-februar.html' title='7. Bericht aus Togo, Februar'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-2871455120084330792</id><published>2009-01-21T05:38:00.000-08:00</published><updated>2009-01-21T06:02:56.297-08:00</updated><title type='text'>6. Bericht aus Togo, Januar</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;Hallöchen!&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Frohes neues Jahr, ich hoffe man ist gut reingerutscht und hatte eine stressfreie und besinnliche Weihnachtszeit.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nach meiner fast dreiwöchigen Auszeit in Ghana habe ich nun allerhand zu tun, nicht nur mit dem Einstieg ins zweite Trimester, auch mit meiner Studien- und Uniwahl, denn so manche Bewerbungsfristen sind bereits abgelaufen…dennoch nehme ich mir jetzt für meinen sechsten Bericht Zeit, denn es gibt mal wieder allerhand zu erzählen. Ich werde mich kurz fassen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="font-weight: bold;" class="MsoNormal"&gt;Vorweihnachtszeit: Schule&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich bin mit all meinen Klassen durch die von mir gewählten Trimesterdisziplinen Sprint und Weitsprung durchgehetzt und habe sie mit Email-Hilfe und -Ratschlägen meines ehemaligen Sportlehrers in Deutschland mehr oder minder erfolgreich abgeschlossen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Zeugniskonferenzen im deutschen Sinne gab es an meinem kleinen Collège keine oder ich wurde nicht zu ihnen eingeladen. Ich habe die gesamten Bulletins (Zeugnisse) meiner 200 Schüler einfach mit nach Hause genommen und dort so gewissenhaft wie möglich die Trimesternoten eingetragen. Völlig unaussagekräftig und wohl für kaum Jemanden oder die Zukunft besonders relevant, aber ziemlich viel Arbeit. Auf Anweisung meines Dirktors musste ich alle Schüler auf mindestens 10 Punkte („passable“, vielleicht einer „4“ in Deutschland entsprechend) bringen, und dennoch gerecht zu bewerten ging eigentlich gar nicht. Da stellt sich die Frage, ob man Sport überhaupt bewerten sollte, denn es gibt immer ein paar Kandidaten (-Innen), die abgrundtief aus dem Bewertungsschema herausfallen und auf legalem Weg nicht mehr zu retten sind. Als Schüler weiß man es wirklich gar nicht zu schätzen, wie viel Arbeit hinter jeder vorbereiteten Stunde steht und wie viel kostbare Zeit in das obligatorische Abtesten von Wissen oder Leistung und die Notengebung investiert wird. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="font-weight: bold;" class="MsoNormal"&gt;Weihnachten&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Da wir am 24.12 bereits nach Ghana aufbrechen wollten, haben wir eine vorgezogene Bescherung mit unsere Gastfamilie am 23.12 gemacht. Da haben wir Weihnachtsmann gespielt und sind voll und ganz in die „Geberrolle“ gefallen, worüber es auch etwas Zoff unter uns Freiwilligen gab. Wir hatten alle drei noch lauter (Gast-)Geschenke aus Deutschland, die wir nun mal loswerden wollten und wir haben der Familie definitiv eine –kurzzeitige- Riesenfreude gemacht. Unsere dicke Gastmutter ist bei jedem Geschenk auf’s Neue wie ein Kind im Kreis gehüpft und auch der sechsköpfige Rest der Familie war in Ekstase. Habe ich alles auf Video.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Es fällt mir schwer ausdrücken warum, aber irgendwie hat mir die Bescherung dennoch nicht gefallen. Vielleicht war es die kindlich-naive Euphorie meiner Gasteltern, die mich plötzlich in die Rolle der Eltern versetzt hat. Man hätte ihnen in dem Moment problemlos erzählen können, dass es den Weihnachtsmann in Europa wirklich gibt, und sie hätten es womöglich geglaubt. Vielleicht hat es mich auch unglücklich gemacht, dass sich die Menschen hier an einer simplen Weihnachtsbescherung, wie es sie jedes Jahr in so gut wie jeder deutschen Familie gibt, nur erfreuen können, wenn sie Weiße Gäste in der Familie aufnehmen. Vielleicht war es auch schlichtweg die Bestätigung des Klischees (oder der Realität?) der weißen, unverhältnismäßigen materiellen Überlegenheit und des Überflusses, mit der und mit dem man gerade zu Weihnachten nur so um sich schmeißt.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich hatte in meinem vierten Bericht von „Neid, Hass, Ehrfurcht, Angst, Freude, Respekt oder Verachtung“ im Kontext der Empfindungen eines Schwarzen gesprochen, der meine weiße Haut auf der Straße sieht. Mag sein, dass meine Ansichten nach unserem Ghanaurlaub, in dem wir zwangsläufig die fragwürdige oder zumindest unsensible Rolle eines Weißen Touristen in Afrika einnahmen, etwas geschädigt sind, aber mittlerweile sehe ich diese Begriffe als fast zu Abstrakt an. Das erste, was ein Schwarzer mit meiner Haut hier assoziiert, ist Geld. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Und das ist dem kulturellen Austausch überhaupt nicht förderlich. Denn letztendlich erscheint es uns, als wäre man hier an eben diesem Austausch oder an unserer Person gar nicht interessiert. Ob unsere Nachbarin, unsere eigene Gastmutter oder gar die Kollegen vor den Augen der Schüler, kaum einer hat meine Mitfreiwillige Lina ihren Heimflug letzten Samstag antreten lassen, ohne vorher nicht doch noch einmal nach Geld oder einer Mitflugmöglichkeit zu betteln. Das enttäuscht und es wird zunehmend schwieriger, damit weiterhin geduldig, tolerant, verständnisvoll, humorvoll und positiv umzugehen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Und wenn ich den Gourmetinhalt meiner Weihnachtspakete mit meiner Gastfamilie teile oder in Accra für ein halbes Monatseinkommen Pizza mit meinen schwarzen Freunden essen gehe, ist das dann kultureller Austausch oder bloß eine Demonstration des Wohlstandes?&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich bin froh meinen Aufenthalt hier nicht auch an dieser Stelle zu beenden, sondern noch ein halbes Jahr Zeit habe, mir darüber Gedanken zu machen. Denn man darf auch nicht vergessen, dass die finanziellen Disparitäten nicht bloß Klischee, sondern unbestreitbar wahr sind. Mein Gastvater ist Alleinverdiener und verdient als Grundschullehrer 35.000 FCFA, umgerechnet nicht mal 55€ im Monat, mit denen er auch seine Frau und seine fünf Kinder durchbringen muss, Schulbildung inklusive.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Offiziell leiden 79% der ländlichen Bevölkerung, 50% der Stadtbevölkerung Lomés [Reiseführer „Le Petit Futé“] unter absoluter Armut, heißt, sie verdienen umgerechnet weniger als 1$ pro Tag. Eine realistische Einschätzung, in so weit ich das beurteilen kann. Wie sollte man ihnen da die Bettelei noch übelnehmen… &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="font-weight: bold;" class="MsoNormal"&gt;Die Reise&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich habe eine tolle Reise hinter mir, auf der ich viele neue Eindrücke gewonnen und Erfahrungen gemacht habe. Die gesamte Reise haben wir uns nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt, meist umgebaute Kleinbusse die in Ghana „Trotro“ genant werden und klein, eng, unbequem aber billig und mäßigschnell sind. Mit auf der Reise waren nicht nur wir drei Yovos, sondern auch unser Freund Momo, der sein Herz eindeutig am rechten Fleck aber sich leider als auf einem dermaßen anderen Intellekt (Analphabet!) entpuppt hat, dass es manchmal auch etwas schwierig war. Immerhin wurden wir kein einziges Mal bedroht oder beklaut, das haben wir vielleicht auch seiner Präsenz zu verdanken. Ich hoffe das klingt nicht zu arrogant.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Von Kpalimé aus haben wir eine Rundreise durch ganz Ghana gemacht, zunächst die Küste entlang und schließlich durchs Zentrum in den Norden, wo wir die Grenze nach Togo passiert haben und zurück nach Kpalimé gereist sind. Es ist sicherlich anschaulich, sich die Route mal auf einer (Online-)Landkarte anzukucken.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Erster Stopp ist Akosombo, wo ein Staudamm das Wasser des weltweit größten künstlichen Sees „Lake Volta“ hält. Aus den Turbinen dieses in den 60er Jahren aufgezogenen und von Europa und Amerika finanzierten Entwicklungsprojekts zieht Ghana heute 70% seiner Energie, 10% der gewonnen Energie wird u.a. nach Togo exportiert. Zudem hat der See die Etablierung einer Fischfangindustrie ermöglicht und gilt als Touristenattraktion.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Damals mussten über 84.000 Menschen zwangsumgesiedelt werden, „for the greater good“ erklärt und unsere Führung stolz. Dennoch wäre Ghana ohne diesen Staudamm mit Sicherheit nicht so sehr Vorzeigeland Westafrikas wie es heute ist.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ein Togoer müsste eigentlich nicht nach Europa reisen, um eine andere Welt zu erleben. Ghanas Hauptstadt Accra reicht. Autobahnen, mehrspurige, schlaglochfreie Straßen, Ampeln, Bürgersteige, Hochhäuser - nach fünf Monaten Togo werde ich etwas desillusioniert. Bereits die hohen Beton- und Stahlstrommasten hatten den afrikanischen Busch entlang der Straße nach Accra irgendwie verfremdet.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Wir schlafen jedenfalls drei Nächte in einer kleinen Rasta-Enklave in einer Holzhütte direkt am zugemüllten und zugeschissenen Strand bei einem Freund unseres Freundes auf dem Boden, was nicht nur umsonst und ziemlich cool ist, sondern zeigt, dass auch in Accra nur gewisse Gesellschaftsschichten von dem hohen Entwicklungsstand profitieren. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ansonsten sind die eindrucksvollsten Erlebnisse wohl das von Armut geprägte Fischerdorf, in dem uns unsere Connection herumführt und welches mich sehr an die Beschreibung eines eben solchen aus einem Spiegelartikel erinnert, und, im totalen Kontrast dazu, die umwerfende Universität Accras, die wiederum zeigt, dass es auch anders geht und mich an meiner Rolle in Togo hat zweifeln lassen. Sie wissen doch wie es geht, sie haben doch den Zugang zu dem nötigen geistigen Potential…&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nach einer Nacht auf einer Reggaeparty mit unseren neuen Rastafreunden in Krokobite, einem sauberen (!) und herrlichen Touristenstrand, fahren wir weiter nach Cape Coast, ehemalige britische Kolonialhauptstadt und einst das größte Sklavenhandelszentrum ganz Westafrikas. Sehr interessant und bedrückend das Cape Coast Castle, von dem aus einst Millionen von Sklaven in die neue Welt verschifft wurden. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Das Touri-Programm kommt nicht ohne einen Abstecher in den nahen Kakum National Park aus, wo wir auf Hängebrücken durch die Baumwipfel über einem kleinen Stückchen geschützten Urwaldes klettern und ein paar kleine Affen sehen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Auf dem Weg in den muslimischen Norden finde ich einen neuen Freund. Der neun-jährige Samuel will einmal Fußballprofi werden und wächst mir mit „I’ll take you as my friend“ nicht nur ans Herz, sondern gibt mir mit „I will learn hard and I will be like you“ auch wieder etwas zu denken…&lt;span style=""&gt;   &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;In Kumasi gehen wir auf dem größten Markt West Afrikas, in dessen Gedränge so mancher Europäer aus Stress und Platzängsten mit Sicherheit durchdrehen würde. Etwas weiter nördlich machen wir halt in einem kleinen Affenreservat. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Landschaft wird langsam gelber und geht in Savanne über, so wie man (ich zumindest) sich Afrika eher vorstellt. Wir befinden uns übrigens in der Trockenzeit, seit rund zwei Monaten hat es selbst in der grünen Region um Kpalimé in Togo nicht mehr geregnet und der Wasserstand des Brunnens unserer Nachbarin sinkt kontinuierlich.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Noch weiter nördlich, in Richtung des Mole National Parks, werden wir auf Grund einer Panne unseres Tro-Tros, bei der ich die Hilfsbereitschaft, die Geduld, die entspannte Gelassenheit und den Gemeinschaftsgeist der Afrikaner hervorheben muss, zu einer Zwangsübernachtung in Tamale gezwungen. Die Stadt ist teuer und gefällt uns nicht, was allerdings auch mit der Panne zu tun haben mag.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Im Mole National Park selbst machen wir eine interessante Walking-Tour, auf der wir ein paar Wildtiere wie Antilopen, Paviane, Warzenschweine und schließlich aus weiter Ferne einen Elefanten, vor allem aber den Lebensraum dieser Tiere zu sehen bekommen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Wer an Löwen, Giraffen, Zebras etc. interessiert ist, wäre in Kenia, Südafrika oder Hagenbek’s Tierpark besser aufgehoben.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Etwas außerhalb des Parks, im Ort Larabanga, führen wir ein sehr interessantes Gespräch mit dem Besitzer eines Guesthouses, nämlich über die (bisher in diesem Bericht viel zu kurz gekommenen) hochaktuellen Wahlen in Ghana.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p style="font-weight: bold;" class="MsoNormal"&gt;Exkurs: Die Wahlen&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich weiß nicht, in wie weit man in Europa oder dem Rest der Welt davon etwas mitbekommt, aber ganz Ghana ist unglaublich politisiert. Bereits in Cape Coast und Kumasi hatte nach jeden neuen Wahlergebnissen auf den Straßen eine Herde Grizzlybären gesteppt. Häufig auf beiden Seiten zu gleich, sowohl die Anhänger der seit acht Jahren regierenden New Patriotic Party mit dem Slogan „Moving Forward“ und entsprechender Geste mit den Händen, die einem Männchenmachenden Karnickel beim scratchen ähnelt, als auch die Anhänger des National Democratic Congress, mit dem Slogan „Change“ (Ja, die können’s auch) und entsprechender Geste mit den Händen, die der eines Fußballspielers der um Auswechslung fleht gleicht.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Unser Guesthousebesitzer hätte für eine Schwesterpartei der NPP gewählt. Er ist mächtig stolz auf sein Land, das die landesweite Party bei der Verkündung eines so unglaublich knappen Wahlergebnisses (Stichwahl: 50.3% zu 49.7% (?)) nicht eskaliert ist, vor allem nach dem, was man 2006 im „Vorzeigeland“ Ostafrikas Kenia erlebt hat. „We are one people“, so wolle sich Ghana auch in Zukunft nach außen hin präsentieren und so hat Ghana –wenn es denn so ist- einem Land wie Togo auch in dieser Hinsicht tatsächlich einiges voraus. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ob bei der Auszählung der Stimmen alles mit rechten Dingen zugegangen ist wisse er nicht, aber wenn der NDC nicht gewonnen hätte, wäre die Situation womöglich nicht so friedlich ausgegangen, denn sowohl die Opposition als auch die internationale Staatengemeinschaft hätten der Regierung Wahlbetrug vorgeworfen. Der NDC musste also gewinnen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Den proklamierten „Change“ stellt er als reinen Populismus dar, und lobt einige politische Errungenschaften der NPP in den letzten acht Jahren, beispielsweise in Sachen Infrastruktur und Krankenversicherung. Kaum ein Ghanaer verstehe wirklich etwas von Politik oder habe die Bildung und Urteilsvermögen über oder den Einblick in die Programme der Parteien. Fakt sei bloß, dass es weiterhin großen Teilen vor allem der nördlichen Bevölkerung „schlecht“ geht, und dass bei eben dieser Wählergruppe der Slogan „Change“ verständlicherweise besser ankommt. Und, das haben wir selbst festgestellt, tatsächlich wird bis in die letzten von jeglicher Zivilisation abgeschnittenen Savannendörfchen Wahlkampf betrieben und um Stimmen gekämpft.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Mit Hinblick auf die enormen Entwicklungsunterschiede zwischen den Nachbarländern Ghana und Togo fragt man sich natürlich, ob diese wirklich noch auf die vor fünfzig Jahren offiziell beendete Politik der Kolonialmächte, oder auch auf den seit dem eingeschlagenen Kurs der unabhängigen Regierungen dieser Länder zurückzuführen ist. Setzt man auf Letzteres, muss die Politik Ghanas tatsächlich zumindest um einiges „besser“ als in Togo verlaufen sein, aber dafür weiß ich natürlich zu wenig über die Materie.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Zurück zur Reise: Vom National Park fahren wir über Tamale noch weiter in den Norden an die Grenze zu Burkina Faso nach Paga, wo wir für teures Geld ein unheiliges Huhn an einen Haufen heiliger Krokodile in einem heiligen Teich verfüttern lassen und das heilige Krokodil mal anfassen dürfen. Von Paga geht es süd-ostwärts Richtung Togo, wo wir uns binnen drei Tagen durch die guten, alten Schlaglöcher bis nach Kpalimé durchschlagen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Einziger Halt ist das Dorf mit den gleichnamigen Völkchen der Tamberma, eines der sehr wenigen togoischen touristischen Attraktionen, in dem für teueres Geld eine seit 500-600 Jahren unverändert lebende Dorfgemeinde weißen Touristen unedel zur Schau gestellt wird.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;So. Die Hälfte meines Aufenthaltes ist um, und an sich wäre es angemessen, ein Zwischenfazit zu ziehen. Da der Bericht damit aber zu lang würde, verschiebe ich das auf den nächsten, siebten Bericht. Ich könnte noch so viel erzählen; über die Schlachtung von Ziegen, über die emotionalen Fußballspiele meiner Schüler zwischen Klassen und Schulen, die hier scheinbar zum Hochpunkt im Leben zählen, über Trommelnächte und Fufu-Partys, über meine Zahlreichen Amöben, Würmer, Hautmaulwürfe und Malaria…&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Im Moment geht es mir jedenfalls gut, ich bin nüchtern in Kumasi in einer Kirche (anders scheint man Silvester dort nicht zu feiern) reingerutscht und bin recht fit.&lt;/p&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;Beste Grüße aus Togo&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-2871455120084330792?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/2871455120084330792/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=2871455120084330792' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/2871455120084330792'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/2871455120084330792'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2009/01/sechster-bericht-aus-togo.html' title='6. Bericht aus Togo, Januar'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-4115399831184254339</id><published>2008-12-21T05:34:00.000-08:00</published><updated>2009-01-21T06:03:26.972-08:00</updated><title type='text'>5. Bericht aus Togo, Dezember</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;Fünfter Bericht&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich habe schon sehr früh angefangen, über diese Entwicklungsunterschiede, die hiesigen Probleme sowie deren Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten einen Bericht zu schreiben. Doch je länger ich hier bin und meine Erfahrungen mache, umso unmöglicher erscheint es mir, schon jetzt fundierte Schlüsse aus diesen zu jungen Erfahrungen zu ziehen. Die Thematik ist so umfangreich und komplex, dass es zu früh ist, ihr jetzt schon einen eigenen Bericht zu widmen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Um dennoch einen Anfang in diese Richtung zu machen, geht es in diesem fünften Bericht um die Geschichte und die Gesellschaft Togos. Zwei zweifellos ähnlich weit reichende Themen, um die man jedoch nicht herumkommt, wenn man in diesem Land etwas verstehen möchte. Wir Freiwilligen haben sie u.a. auf einem Einführungsseminar hier in Togo im August behandelt, worauf ein Großteil dieses Berichtes basiert. Alle Daten sind entnommen aus dem französischen Togoreiseführer „petit futé“ (2008), LonelyPlanet-Westafricaführer oder dem Geschichtsbuch meines hiesigen Französischlehrers.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Natürlich sammele ich meine gesamten Erfahrungen nur in dem kleinen westafrikanischen Land Togo. Dennoch sind Geschichte und Probleme Togos seit dem Beginn der Kolonialzeit im Großen und Ganzen mit Sicherheit auch auf viele andere Länder Afrikas projizierbar, wo ähnliche Entwicklungen stattfanden und stattfinden. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich freue mich auf Rückfragen Ihrer/eurerseits. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;ol style="margin-top: 0cm;" start="1" type="1"&gt;&lt;li class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;b style=""&gt;Geschichte Togos&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;Frühe Geschichte&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Auf unserem Seminar beginnt die Geschichte Togos mit der „Entdeckung“ 1884 durch Gustav Nachtigal, mit der pre-kolonialen Geschichte scheint man sich nicht viel auseinanderzusetzen. Nur auf Nachfrage wird knapp erläutert, dass es vor 1884 verschiedene Königreiche und den „traité de negre“, das Abkommen über den Sklavenhandel gab. Sowohl englische, französische als auch deutsche Händler waren zuvor an der westafrikanischen Küste tätig, wobei die Knotenpunkte der Sklavenverschiffung entlang der Küste des heutigen Ghanas lagen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;1884 beginnt mit dem „traité de protectorat“ (Schutzabkommen) zwischen Deutschland und Mlapa III., König der Ewé, die Kolonialzeit Togos. Das bedeutet jahrelange Knechtung der Einheimischen und Landraub durch die Deutschen, begleitet von zahlreichen fehlgeschlagenen Aufständen der Einheimischen. Die Deutschen führen Kaffee, Kakao, Erdnüsse und Baumwolle ein, festigen die Viehzucht, führen industrielle Errungenschaften wie den Webstuhl ein, bauen Eisenbahnlinien, Straßen, Schulen (Unterricht auf Deutsch) und Krankenhäuser, missionieren, errichten eine Werft. Togo gilt als „Musterkolonie“ und soll als Vorbild aller Kolonien dienen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Auch wenn die Kolonialisierung grundsätzlich verurteilt wird, schätzt man heute die Kolonialisierung durch die Deutschen, während man die 1914 beginnende französische Verwaltung verachtet, und auch die heutigen Missstände Togos u.a. auf die französische Politik zurückführt. Diesen andauernden Hass gegen die Franzosen und das Wohlwollen den Deutschen gegenüber kriege ich noch heute deutlich zu spüren und mir wird oft gesagt, dass es gut ist, dass ich deutsch und nicht französisch bin. Wenn die erste Frage nicht „Jovo, ca va?“ ist, dann ist es oft „Francais?“, und wenn man dann „non, Allemand“ entgegnet, wird man mit fast entschuldigendem Blick gleich viel freundlicher angekuckt, „J’aime les Allemands.“ Mir kommt es so vor, als würden sich die Menschen hier häufig auf ein undifferenziertes Gut-Böse-Bild beschränken und Tatsachen außer Acht lassen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;1914 fallen Franzosen aus Osten (Benin) und Engländer aus Westen (heute Ghana) in Togo ein und erlangen ihren ersten Sieg im ersten Weltkrieg. 1922 wird Togo über das Völkerbundsmandat zwischen England und Frankreich aufgeteilt, d.h. ein Teil Togos gehört von nun an zur „Goldküste“ Ghana. Die Grenzziehung verläuft durch das Gebiet des bevölkerungsreichen Volkes der Ewé (in deren Gebiet auch ich lebe), die somit heute nicht nur einen großen Teil der togolesischen Bevölkerung sondern auch ~10% der ghanaischen Bevölkerung ausmachen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;An dieser Stelle einen kleinen Exkurs über die Bevölkerungsgruppen Togos: In Togo leben heute zwischen fünf und sechs Millionen Menschen, bestehend aus 39 Ethnien. Die größte Bevölkerungsgruppe sind die „Adja Ewé“, die in sechs Untergruppen 46% der Bevölkerung ausmachen und im Süd- und Zentraltogo leben. Die „Kabyè-Tem“ [26,7%], bestehen aus vier Untergruppen und leben eher im nördlichen Togo. Ebenso die „Para-Gourma“ [16,1%] mit sieben Untergruppen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Während sich die Ewé so gut es geht verweigern, mit den Franzosen zusammen zu arbeiten, kooperieren die Kabyé u.a. auch militärisch mit den Franzosen [Seminar]. Über die folgenden 56 Jahre bis zur Unabhängigkeit erfahre ich nur, dass Frankreich nichts als Ausbeutung betrieben hat, und die deutschen Errungenschaften für sich genutzt und verkommen lassen hat. So kommt es beispielsweise, dass heute nur noch eine einzige intakte Zugstrecke in ganz Togo existiert.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;1960 erlangt Togo, wie die meisten afrikanischen Kolonien um diese Zeit herum, seine Unabhängigkeit. „Sylvanius Olympio“, Ewé-stämmig, wird erster Präsident der unabhängigen Republik Togo und 1963 ermordet. Auf dem Seminar wird er als hoch gelobter Pazifist und Intellektueller dargestellt; sein Mord als Komplott zwischen Frankreich und den Kabyè (zweitgrößte Bevölkerungsgruppe Togos), die durch die Unabhängigkeit beide an Macht und Einfluss im Land verlieren. In meinen Reiseführern wird sein Mord (vermutlich etwas objektiver) als Resultat ethnischer Spannungen innerhalb Togos und auf Olympios Politik zurückgeführt. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;Junge Geschichte&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nach einigen Jahren wackliger Regierungsversuche kommt 1967 der Diktator Eyadema Gnassingbé an die Macht, ein Kabyé. Dort bleibt er auch bis zu seinem Tod 2005. Auf dem Seminar erfahre ich über diese 38jährige Legislaturperiode nichts.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Anfang der 1990er Jahre kommt es zu ethnischen Unruhen, Konflikten mit der Armee und Protesten gegen Eyadema, begleitet von international wachsendem Druck, dem Rückgang von Entwicklungsgeldern und schließlich einem neunmonatigen Generalstreik. Das Resultat sind Tote, tausende Flüchtlinge in Nachbarländer und ein schwerwiegender Einbruch der ohnehin fragilen Wirtschaft. Bei den anschließenden Versuchen demokratische Wahlen durchzuführen werden deren Resultate weder international noch von der Opposition anerkannt, die der Regierung Wahlmanipulation vorwirft und weitere Wahlen boykottiert. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nach dem Tod Eyadema Gnassingbés 2005 setzt die Armee seinen Sohn Faure Eyadema an seine Stelle, begleitet von Unruhen, bei denen in der Hauptstadt Lomé 500 Menschen getötet werden [R] und abermals tausende Menschen in Nachbarländer flüchten. In den darauf folgenden Wahlen wird Faure mit 60%er Mehrheit in seinem Amt bestätigt. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich gebe meinen ersten Gastvater wieder: Am Todestag Eyadema Gnassingbés, feiert ganz Kpalimé. Als zwei Stunden später bekannt gegeben wird, dass Eyademas Sohn Faure an seine Stelle tritt, betrinkt er sich und trauert. Alle bisherigen Wahlen seien gefälscht und die Regierung wird von den Ewé nicht als legitimiert anerkannt. Man wagt nicht [mehr] zu demonstrieren oder zu streiken, da jede Art des Auf- bzw. Widerstands tödlich enden kann.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Dennoch hat mit Faure Gnassingbé eine neue Ära togolesischer Politik begonnen, der die meisten Menschen optimistischer begegnen als der Vergangenheit.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;ol style="margin-top: 0cm;" start="2" type="1"&gt;&lt;li class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;b style=""&gt;Gesellschaft Togos&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;Die Familie&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Noch heute befinden sich 43% [R] der togolesischen Frauen in einer polygamen Ehe, d.h. ein Ehemann als Familienoberhaupt verfügt über mehrere Ehefrauen. Es gibt sehr starke und große Familienbände, bestehend aus Großeltern, Vater, mehreren Ehefrauen, Kindern (Fertilitätsrate: 5,4 Kinder/Frau), Cousins und Cousinen, Tanten und Onkels etc, die zusammen ein ganzes Dorf ausmachen können. Der Vater entscheidet über die Heirat der Kinder, wobei stets die Tochter im Durchschnitt mit 18 Jahren die Familie verlässt um mit der Familie des künftigen Ehemannes zu leben. Der Ehemann zahlt Mitgift an den Vater der Frau, andersrum als es in Europa der Fall war.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Es gibt eine strenge Rollenverteilung, wobei die Frau sich um Kinder, Haushalt und Handel kümmert und viel Zeit in der Küche oder auf dem Marktstand verbringt, während der Mann auf dem Feld arbeitet. So ist der Großteil der Männer egal welchen Alters sehr muskulös und durchtrainiert, während die Frauen, fast durch die Bank weg, zwar eine schlanke Jugend, dann aber unglaublich korpulente Wechseljahre durchmachen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Wenn in meiner ersten Gastfamilie die Mutter auf dem Markt und der Vater auf dem Feld arbeitet, klebt der kleinste Bruder stets am Rücken der Mutter, während sich die restlichten Kinder zu Hause um sich selbst und den Haushalt kümmern. Die Kinder sind häufig sich und ihrer Erziehung selbst überlassen. Kinderzimmer oder Spielsachen im europäischen Sinne gibt es schlichtweg nicht. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Allgemein spielt sich das meiste Leben außerhalb auf dem Hof ab, und eine Hauptbeschäftigung der Kinder ist im Haushalt oder auf dem Feld zu helfen. Meines Erachtens wird dies vor allem im jungen Alter aber nicht als Arbeit, derer man sich lieber entziehen würde, empfunden. Sondern als Leben. Es gibt nichts anderes zu tun.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Während wir Freiwilligen in meiner zweiten Gastfamilie jeder ein eigenes Zimmer mit Bett, Tisch und Stuhl haben, schläft der Rest der Familie (das sind Eltern plus drei, am Wochenende sogar plus fünf Kinder, wenn die beiden ältesten aus Kpalimé vom Lycée nach Hause kommen) hinter einem Vorhang im „Wohnzimmer“, wo sie sich ein Bett und den Boden zum schlafen teilen. Und mehr Räume hat dieses Haus, was sich durchaus nicht jeder leisten kann, nicht. Küche und Klo sind außerhalb.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;Religion&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Als vorherrschende Religion gelten bis heute „Naturreligionen“, diverse Ausführungen des Voodoo (Fetischismus). Heiligtum kann praktisch jeder Gegenstand sein, von Baum, Wald, Wasserfall bis zur Puppe, der dann einen Gott oder Geist verkörpert. Viele der ursprünglichen Heiligstätten sind mittlerweile zerstört, und ich halte das religiöse Leben in Togo für einen sich in der Entwicklung befindenden Prozess. Ich habe zwar mittlerweile erlebt, dass es nicht in jeder Kirche so spektakulär zugeht wie bei meinem ersten Kirchengang hier (zweiter Bericht), aber dennoch wirken in vielen christlichen Gemeinden (offiziell ca. 30% der Bevölkerung) Elemente des Voodoo stark mit, und ich nehme an, dass es bei den Muslimen (offiziell ca. 12%), die vorwiegend im nördlichen Togo leben, ähnlich zugeht. Allein in der Hauptstadt Lomé soll es über 400 Sekten geben und es lässt sich häufig keine klare Grenze zwischen Sekten, vermeintlich christlichen Gemeinden und dem Voodoo ziehen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Paradox erscheint mir, dass manche Christen dennoch fast allergisch auf Voodoo reagieren und die Voodoopraktizierenden bei den hiesigen Christen nicht gut angesehen sind. Wenn man einen „schwachen Geist“ hat, sollte man sich als Christ von Voodoozeremonien fernhalten. Da spricht Angst aus der Seele vor den Geistern des Voodoo, an die man als Christ doch gar nicht mehr glauben sollte! Ist der weiße Gott nicht außerdem auch eine Aufzwängung aus der Kolonialzeit, die mit der Unabhängigkeit 1960 hätte abgelegt werden können?!&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Darauf wird mir entgegnet, die Menschen hier hätten schon immer an ihre eigenen Götter, Geister und höhere Gewalten geglaubt, die Europäer haben dem Glauben der Afrikaner mit dem Christentum nur das passende Bild verliehen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Vielleicht liegt es an meinem sündigen Nichtglauben, dass mir diese Sphären nicht ganz begreiflich sind.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;Demographie und Allgemeines&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;44% der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre, 70% jünger als 30 Jahre. Bedenkt man nun noch, dass die Lebenserwartung bei der Geburt 55 Jahre beträgt und die Schüler meiner 10. Klasse bis zu 22 Jahre alt sind, könnte man das vielleicht auch als einen Grund für den landesweiten Lehrermangel auslegen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Togos Bevölkerung wächst jedes Jahr um fast 3%, wobei der 2005 verstorbene Präsident Eyadema Gnassingbé diese Zahl stark nach oben gedrückt haben muss, denn man sagt, er hätte in jeder größeren Ortschaft Togos eine Ehefrau und insgesamt zwischen 120 und 180 Kindern gehabt. Da war der intime Familienbund wohl nicht mehr ganz so intensiv.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich werfe hier mit Zahlen aus meinem Reiseführer um mich, die sich sowieso keiner merken kann oder will, aber vielleicht hilft es ja dennoch nachvollziehen zu können, warum sich Togo laut UN-Entwicklunsstand-Statistik auf Platz 147 von 177 Ländern befindet. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;Heute: le Changement&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Togo befindet sich offiziell im Wandel, im „changement“. Viele Elemente des oben beschriebenen togolesischen Lebens verändern sich allmählich zu einem Leben, das hier als „modern“ beschrieben wird und unserer Gesellschaft in Europa ähneln soll. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;So hat sich durch die Schulbildung und durch die Schulbildung der Mädchen die Rolle der Frau liberalisiert, auch wenn immer noch mehr Jungen als Mädchen die Schule besuchen und mein ältester Gastbruder darauf beharrt, dass das an mangelndem Wille seitens der Mädchen liegt. Auch schon mehrmals habe ich von Männern gehört: Gleichberechtigung? Na gut. Aber eine Frau in einer höheren Position als der Mann? Nein, danke. Das ginge nicht, da würden die ja den Respekt verlieren.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Beschneidung von Frauen ist gesetzlich verboten worden, ebenso wie das Schlagen der Schüler in der Schule, woran sich allerdings keiner hält. Daran habe ich mich mittlerweile auch schon gewöhnt. Mit Sicherheit liegt es auch an den enormen Klassengrößen und an mangelnder Motivation der Schüler, die so oder so recht wenige Zukunftsperspektiven haben. Dennoch wage ich zu behaupten, dass es nicht die Schüler, sondern die Lehrer sind, die noch nicht reif für gewaltfreies Unterrichten sind.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Durch den heutigen europäischen Einfluss verändert sich die togolesische Gesellschaft, aber die ursprünglichen ebenso wie die unterlegenen kolonialen Denkweisen, Weltanschauungen und Strukturen sind noch tief in den Köpfen der Menschen verankert. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;b style=""&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Vielen Dank an Alle, die sich bis hier durch diesen langen und anstrengenden und vielleicht nicht so gut gelungenen Bildungsbericht durchgekämpft haben. Viele Dinge werden wohl nicht so verständlich sein und ich würde mich um Nachfragen sehr freuen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Beste Grüße aus Togo&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-4115399831184254339?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/4115399831184254339/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=4115399831184254339' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/4115399831184254339'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/4115399831184254339'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2009/01/fnfter-bericht-aus-togo.html' title='5. Bericht aus Togo, Dezember'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-1989745884313128536</id><published>2008-11-10T05:16:00.000-08:00</published><updated>2009-01-21T06:03:56.931-08:00</updated><title type='text'>4. Bericht aus Togo, November</title><content type='html'>&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt;Ein Bericht über meine jetzige Arbeit &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt;In Agou kehrt langsam der Alltag ein, auch wenn ich immer noch keine verschließbaren Fenster habe und der Regen in mein Zimmer fällt. Die Regenzeit geht aber nun langsam ohnehin in die Trockenzeit über, also kein Problem. An die Luxusabsenz gewöhnt man sich, meine lieben Mitfreiwilligen sind sogar so weit, dass sie sich regelmäßig darüber mokieren, dass ich einen ganzen Eimer Wasser zum Duschen nehme und nicht bloß einen halben. &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Mein erster Arbeitstag als „Professeur du Sport“ am Collège Agou-Apegamé kam relativ abrupt. Eigentlich hieß es, ich würde zusammen mit meinen Mitfreiwilligen und –Bewohnern Robert und Lina an einem Collège Englisch und Sport unterrichten, dann sollten plötzlich zwei Freiwillige an einem Collège und einer alleine an einem anderen unterrichten, alle drei zusammen in der restlichen Freizeit in einem Kindergarten aushelfen. Wie so oft hier, gibt es keinen verlässlichen Plan, sondern alles entscheidet sich spontan.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;So wurde ich dann ein paar Tage später meinem gesamten Collège als studierter Sportprofessor präsentiert, es hieß „Bist du bereit?“ und ich stand -alleine- vor 45 Schülern und sollte unterrichten. Sportmachen ging nicht, weil der Sportplatz noch nicht gerodet wurde, also habe ich mir 55 Minuten lang – wohl gemerkt auf Französisch – Sporttheorie über Disziplin, Respekt, Ausdauer und Teamgeist aus den Fingern und aus dem Lexikon gesogen.&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;In meine Rolle als Lehrer habe ich mich mittlerweile sehr gut hineingefunden.&lt;br /&gt;Mein täglicher Arbeitsplatz ist ein mittlerweile mehr oder minder gemähter Fußballplatz, der mit Hügeln, Schlaglöchern und Grasbüscheln durchzogen ist. „Gemäht“ wurde an zwei Montagen von allen Schülern, über die ich - glücklicherweise mit einem anderen Lehrer zusammen - Aufsichtführen sollte. Da stand ich Yovo dann vor rund 200 schwarzen Schülern, zum teil älter als ich, die vor mir mit einer Machete das Gras und die Sträucher weghauen sollten, und ich sollte Kommandos geben. Mit gemischten Gefühlen eines amerikanischen Boot-Camp-Supervisors und Sklavenhalter habe ich mir nicht anmaßen können auch nur ein Wort zu sagen, zumal ich bis heute keine Ahnung habe, wie die das mit der Machete fertig brachten. So stand ich während der meisten Rodungszeit tatenlos am Rand, und habe über Industrialisierung, Rasenmäher, Arbeit und den Sinn des Lebens im Ganzen philosophiert. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;An meinem kleinen Busch-Collège (6.-9. Klasse) in Agou-Apegamé unterrichte ich alle vier Klassen je zwei Wochenstunden in Sport, und noch einmal vier Wochenstunden an einem anderen Collège in Agou-Gare, wo meine Mitfreiwilligen Robert und Lina gemeinsam unterrichten. Das klingt vielleicht nicht nach viel Arbeit, aber auch eine Sportstunde, besonders unter den hiesigen Bedingungen, will gut vorbereitet sein. Und natürlich befinde ich mich selbst noch im Lernprozess, habe viel Verantwortung und reichlich Gestaltungsfreiraum, denn ich bin Yovo und ich weiß wie man’s macht (denkt man hier). Neben der normalen Notengebung werde ich meine 3ième (9.) sogar durch die Abschlussprüfungen bringen müssen.&lt;/p&gt;      &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt;Auf dem Lehrplan stehen Weit- und Hochsprung, Sprint, Ausdauertraining, Kugelstoßen mit Steinen, Klettern am Seil ohne Seil, und zu guter letzt Fußball.&lt;br /&gt;Die Klassengrößen an meinem College reichen von 43 bis 61 Schüler, in Agou-Gare reichen sie von 60 bis 80. Die Klassenfrequenzen meiner ältesten Gastbrüder am Lycée (10.-12. Klasse) betragen 100 bzw. 114 Schüler. Ich habe es also noch sehr gut getroffen. Bei zusätzlichem Mangel an Räumlichkeiten und der Absenz jeglichen Lehr- oder Lernmaterials ist Unterricht kaum möglich und der Rohrstock gehört zu den wenigen Unterrichtsmaterialien. Die Meinung, die Schwarzen Kinder müssten mit dem Stock erzogen werden, ist hier sehr gängig. Mein ältester Gastbruder selbst, noch nicht ganz raus aus dem Schulalter (20), hat mir beigebracht, wenn Weiße Kinder ungezogen sind, gibt man ihnen trockenes Brot zu essen, und sie wissen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Wenn schwarze Kinder ungezogen sind und man ihnen trockenes Brot gäbe, gewöhnten sie sich schnell an den Geschmack und würden weiterhin ungezogen sein. Erst wenn man sie ordentlich kloppt, würden sie aus ihren Fehlern lernen. Da mein Gastbruder mir aber auch schon viel von Drachen und Werwölfen erzählt hat, nehme ich ihn ohnehin kaum noch für voll. Ansonsten ist er ein ganz netter.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Neben unserem Lehrerjob teilen wir drei Freiwillige uns die Arbeit im Kindergarten unseres Dorfes, in dem wir in unseren Freistunden arbeiten und die Kindergärtnerin unterstützen.&lt;br /&gt;Im Kindergarten sind 35 Kinder zwischen drei und vier Jahren und eine liebe Kindergärtnerin. Ein gewöhnlicher Vormittag sieht wie folgt aus: Gemeinsam versuchen, eine Papaya zu malen, in dem Zusammenhang die Farben auf Französisch lernen (denn die Kleinen sprechen fast ausschließlich EWE), keiner krieg es hin, alle raus vor die Hütte und auf den Vorplatz urinieren, Hocker-Kreis und singen, Gedichte auf französisch vortragen, ein Spiel spielen (in etwa „Bello, dein Knochen ist weg“), „Sport“ machen auf dem kleinen Vorplatz, heißt „gehen wie ein Soldat“, „gehen wie ein König“, „gehen wie ein alter Mensch“ etc., ausruhen unter einem Baum, etwas Bohnen essen. Alles immer mit dreißig Kindern, ziemlich niedlich, für mich nicht so anstrengend wie der Sportunterricht, intellektuell meist unterfordert, praktisch meist überfordert (denn wenn die Kindergärtnerin mal nicht da ist, fangen sie plötzlich an sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen).&lt;/p&gt;          &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich habe neulich mal die Initiative ergriffen und einen Reifen an ein Seil an einen Baum gebunden. Darauf gingen nicht nur die kleinen Kinder tierisch ab, sondern auch ca. 80 Kinder von der gegenüberliegenden École Primaire (1.-5. Klasse), die, sobald ich mit Seil und Reifen aus der Hütte trat, angestürmt kamen und über mich herfielen („Geil, n Yovo mit Reifen und Seil in der Hand, kommt, wir laufen alle hin und brüllen ihn in einer Sprache an, die er nicht versteht!“). Ich weiß nicht, was sie so aufregend fanden, Seil und Reifen oder meine Hautfarbe oder alles in Kombination, aber man sollte doch meinen, auf die Idee einer Schaukel in seiner simpelsten Ausführung sollte doch jeder kommen?!&lt;br /&gt;Vielleicht ist die Schaukel eine über und über westliche Erfindung. Vielleicht ist dies aber auch ein Beispiel der Initiativlosigkeit der Menschen hier, die eng einhergeht mit dem Gedanken, dass Europa das Paradies und alles, was der Weiße Mann entwickelt heilig ist, und im Notfall Europa da ist um Afrika zu retten. Denn das ist Europa Afrika ja schließlich auch schuldig.&lt;br /&gt;Diese Einstellung ist in vielen Köpfen hier tief verwurzelt und meiner Meinung nach ein 1a Entwicklungshemmnis. Man nimmt die Dinge wie sie kommen, man palavert hier, man palavert da, man lacht sehr viel, man trifft viele Menschen und unterhält sich meist über Banalitäten, man lebt. Und das ist auch gut so. Denn eine Entwicklung hin zu einer westlichen Stress-Gesellschaft wo Werte wie Pünktlichkeit und materieller Wohlstand, Fähigkeiten wie Management und Planung, wo die Zeit und das Geld die Menschen beherrschen und den Alltag bestimmen, ist ja auch gar nicht einwandfrei wünschenswert.&lt;br /&gt;Aber dann sieht man im Fernsehen große Häuser mit Kühlschrank und Badewanne, wo fließend Wasser und Strom nicht zum Luxus sondern zum Existenzminimum zählen, wo die Ärmsten Autos fahren die sich hier nicht einmal die Reicheren leisten können, und man wird sich über die materiellen Unterschiede bewusst, denn man hat das Gefühl weniger zu haben, schlechter zu leben, vielleicht „unterentwickelt“ zu sein. Und das macht einen unglücklich. &lt;/p&gt;    &lt;p class="MsoNormal"&gt;Minderwertigkeitsgefühle in Form einer empfundenen „Weiß-Schwarz-Dekadenz“ sind nicht nur durch Indoktrinationen und Erniedrigungen aus früheren Zeiten im Unterbewusstsein der Menschen tief verankert, sondern werden bis heute durch die u.a. in den Medien demonstrierten materiellen Unterschiede immer wieder gefestigt. Darunter müssen das Selbstvertrauen und der Stolz, der Glaube an sich selbst und seine eigenen Stärken ziemlich leiden. Deshalb fühle ich mich nach über drei Monaten hier immer noch unwohl, wenn ich auf der Straße von einer wildfremden Person so eindringlich angestarrt werde und nicht erraten kann, was im Kopf des Betrachters vor sich geht, ob es Neid, Hass, Ehrfurcht, Angst, Freude, Respekt oder Verachtung ist, was aus dem leeren Blick spricht.&lt;/p&gt;            &lt;p class="MsoNormal"&gt;Sucht man [Afrikaner] nach Gründen für die Unterschiede, stößt man neben der unveränderbaren und haarsträubenden Geschichte Afrikas auf die miserable Regierung des eigenen Landes und deren Politik, die für die Misere (wenn es denn eine ist) verantwortlich ist. Und immer wieder ist es auch noch das heutige Europa, in diesem Falle Frankreich, das mit der Regierung zusammen arbeitet und noch heute indirekt Ausbeutung betreibt.&lt;br /&gt;&lt;span style="" lang="FR"&gt;„Qu’est-ce qu’on peut faire?“ &lt;/span&gt;1992 und 2005 gab es die letzten Unruhen im Land, doch durch jeglichen Protest gegen die Regierung gefährdet man sein Leben, und man wagt nicht mehr zu demonstrieren. Das habe ich nun schon aus etlichen Mündern gehört.&lt;br /&gt;Der regelrechte „Hass“ gegen die beiden Übeltäter, gegen Frankreich und gegen die eigene Regierung, mündet nicht in Protest, etwa in Widerstandsbewegungen oder gar einer Revolution, sondern man schluckt seine Wut aus Angst hinunter und lebt weiter vor sich hin.&lt;br /&gt;Jedes mal, wenn ich Menschen, die ich etwas besser kenne, auf Politik und nationale Probleme anspreche, immer mit dem Hintergedanken, wie man Afrika denn nun aktiv, effektiv und nachhaltig helfen könnte, schütten sie sich nach einer kurzen Aufwärmphase das Herz aus und kommen zu dem gleichen, aussichtslosen Schluss…&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;In wie weit Europa oder Frankreich tatsächlich noch heute seine Finger im Spiel hat, kann natürlich weder ich noch irgendein normalsterblicher Togolese objektiv oder rational beurteilen. Es gibt ja nicht einmal unabhängige, freie Presse.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Etwas vom Thema abgekommen belasse ich es dennoch dabei, und mache an dieser Stelle einen Schnitt. Ich hoffe, die Schilderung meiner Arbeit reicht für das erste aus und die Darstellung der restlichen Gegebenheiten klingt nicht zu theatralisch.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;In meinem nächsten, sehr baldigen Bericht, soll es um Geschichte und Kultur Togos gehen, um Zusammenhänge besser verstehen zu können.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich freue mich immer wieder über Fragen! &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-1989745884313128536?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/1989745884313128536/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=1989745884313128536' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/1989745884313128536'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/1989745884313128536'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2008/12/4-bericht-aus-togo-november.html' title='4. Bericht aus Togo, November'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-4764118786981386768</id><published>2008-10-10T05:14:00.000-07:00</published><updated>2009-01-21T06:05:09.268-08:00</updated><title type='text'>3. Bericht aus Togo, Oktober</title><content type='html'>Ich wohne mittlerweile nicht mehr im „Zentrum“ der Kleinstadt Kpalimé, sondern in der 12 km außerhalb gelegenen Dorfkette „Agou“; heißt  kleine Dörfer die um den Berg „Mt. Agou“ verteilt liegen. Hier ist das Leben noch etwas ursprünglicher, „ärmer“, ruhiger und es gibt eine Menge Urwald und Natur um mich herum. Das lärmende Brummen der vielen Moto-Taxis (Motorräder-Taxis) aus Kpalimé ist passé, und es stehen nicht mehr jeden Tag 20 Freunde vor der Haustür die etwas mit einem unternehmen wollen. Ich weiß nun auch, wo die ganzen alten Menschen, die ich Kpalimé vermisst habe, sind. Nämlich hier, auf den Dörfern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es fiel mir etwas schwer, von meiner alten und wirklich liebenswerten Gastfamilie weg zukommen. Aber bei Campagne des Hommes (CDH) in Kpalimé sind wir mittlerweile rund 15 Yovo-Freiwillige, und es gibt im Prinzip nicht genügend sinnvolle Beschäftigung für alle. Somit habe ich mich entschieden, hinaus auf das Dorf zu einer neuen Gastfamilie zu ziehen und an einem College (8.-10. Klasse) Sport zu unterrichten – Zusammen mit meinem Co-Zivi Robert und Lina, die für 5 Monate in Togo bleibt. Ich werde auch versuchen, Englisch- und Deutschkurse anzubieten.&lt;br /&gt;Unsere neue Familie macht einen sehr lieben Eindruck. Unser Gastvater Theodor ist Lehrer, unsere Gastmutter Marie hat ungefähr die Körperform meines alten Gastvaters Richard, kocht vorzüglich und lacht immer. Wir haben fünf Gastgeschwister allen Alters: Guy (~20), Patrick (~18), Karl (~13), das einzige Mädchen Elise (~7) und Emanuel (1). Die beiden Ältesten gehen in Kpalimé aufs Lycée (11.-13. Klasse) und wohnen während der Schulzeit nicht bei uns.&lt;br /&gt;Unser Haus und Hof grenzen direkt an den Dschungel. Überall wachsen Bananenbäume, Palmen, Zitrusbäume, Papaya, einige Urwaldriesen mit Brettwurzeln gibt es auch. Wir haben Strom aber kein fließend Wasser und leider auch keinen eigenen Brunnen. Deshalb müssen wir Wasser immer aus dem Brunnen des Nachbarhofes per Eimer schleppen. Das Bad ist außerhalb des Hauses und besteht aus einem Plumpsklo und einem Wasserabfluss für das Eimer-Dusch-Wasser.&lt;br /&gt;Ich muss zugeben, etwas bequemer mit Fliessendwasser war es bei Richard schon. Zudem ist das Plumpsklo gar nicht mal so weit weg von dem nachbarlichen Brunnen, aus dem wir im Übrigen auch das Trinkwasser (abgekocht / gechlort) schöpfen.&lt;br /&gt;Wir haben einige Hühner und einen Hahn, der pünktlich zur Morgendämmerung täglich um 5:15 zu krähen beginnt. Das ist auch gut so, denn um 5:45 müssen wir aufstehen um entspannt um 6:45 an unserem College zur Arbeit zu erscheinen.&lt;br /&gt;Wie mein Arbeitstag genau ausschauen wird, werde ich ab Montag erfahren. Im Moment räumen die Schüler noch den Schulhof auf, mähen Gras (per Machete) etc. und richtiger Unterricht findet noch nicht statt.&lt;br /&gt;Mit Robert und Lina verstehe ich mich sehr gut, dass ist wohl auch einer der Gründe warum wir gemeinsam nach Agou gezogen sind.&lt;br /&gt;Hinsichtlich Krankheitsbefalls bewege ich mich noch auf der Sonnenseite des Lebens. Nach durchschnittlich 1-2 Monaten in Togo haben 6 Freiwillige Yovos meiner Association CDH Malaria gehabt, In drei weiteren Fällen weiß ich von Wurmbefall. Ich habe nach drei Wochen hier meine Malariaprofilachse (Lariam) abgesetzt, weil das Zeug für ein ganzes Jahr ohnehin nicht gut ist. Ich hatte noch keine Malaria und werde weniger als andere gestochen, ob es an meiner Vorsicht und ab 17:00 stets langärmliger /-beiniger Kleidung, Glück oder an meinem schmutzigen Blut liegt weiß ich nicht. Ich hatte einmal Amöbeneier in mir, was sich nicht schmerzhaft sondern nur in reichlich über-flüssigem Stuhl geäußert hat, wenn man versteht.&lt;br /&gt;Von Durchfall werde ich und nicht nur ich hier ständig geplagt, das nervt ein wenig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In den letzten Tagen gab es eine Reihe von Überfällen. Insgesamt fünf unserer Freiwilligen Yovo-Mädchen und drei Amerikanerinnen wurden mit einem „coup-coup“ (Machete / großes Messer mit dem man hier alles macht, von Baumfällen, Kokosnussaufschlagen bis Rasenmähen) bedroht und beklaut, Kamera, Geld, Pass, Handy. Nur weiße Frauen. Aus diesem Grund werden präventiv eigentlich auch immer Jovo-Männchen und Jovo-Weibchen in eine Gastfamilie gesteckt. Nur wurden dieses Jahr weniger Jovo-Zivis von meiner Entsendeorganisation ICJA geschickt und von den kostbaren vieren, von denen die einen beiden nur 4 Monate bleiben, sind zwei nun auch noch mit einer Jovina nach Agou ausgewandert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der September verging wie im Fluge.&lt;br /&gt;Zusammen mit zwei schwarzen freunden haben wir einen Ausflug in die Berge zu einem „Schloss“ gemacht, eine richtige, etwas verfallene Kolonialvilla. Ein super Ausblick über Kpalimé und Togo, wären die Wolken nicht gewesen. Man konnte sich richtig vorstellen, wie sich dort einst ein paar Weiße Damen und Herren von ein paar Schwarzen bedienstet haben lassen. In dem europäischen Stil kommt man nicht drum herum, sich etwas heimisch zu fühlen und man fragt sich, wie die Menschen hier eine so tolle Villa so verkommen lassen können. Die Menschen scheinen mit so einem Bau hier nichts anfangen zu können, weder im praktischen noch im kulturellen Sinn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war zweimal in der Hauptstadt Lomé. Eine Fahrt nach Lomé im „Bus“, die Toyota-Variante des alten VW-Bullys mit rund 20 Fahrgästen, kostet 1900 FCFA (~2,70€). Lomé ist schmutziger, stinkender, voller, lauter, heißer. Ich bin froh in Kpalimé zu sein. Es gibt einen wundervollen, weiten Sandstrand mit Palmen und riesigen Atlantikwellen. Überall sieht man Menschen, die in den Sand kacken und an mehreren Stellen wird die Kloake ins Meer geleitet. Einige Hotels, zwei davon richtige Hochhäuser mit westlichen Standards und westlichen Preisen. Wir haben in einer abgewrackten Baracke für 4000 FCFA (~6€) die Nacht geschlafen, die wir unter „absoluter Unterklasse“ im Westafrika-Reiseführer gefunden haben. Fließendwasser („Dusche“ in unserem Sinne gibt es eigentlich nie, immer Eimerdusche), Bett, Ventilator und zentrale Lage. In der deutschen Botschaft haben wir uns in die „Deutschen-Liste“ eintragen lassen, die retten uns jetzt, falls wir entführt werden oder Krieg droht. Im „Goethe-Institut“, einer deutschen Einrichtung zur Förderung des deutsch-togolesischen Kulturaustausches inklusive Bibliothek, habe ich dankbar eine schnelle, fast europäische Internetverbindung entdeckt. Deshalb mag ich mich auch kaum noch mit den Zeitlupenverbindungen in Kpalimé herumschlagen. Im Restaurant „AltMünchen“ habe ich ein göttliches Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat für 6000FCFA (~10€) verspeist. Ich muss allerdings sagen, dass mir das togolesische Essen mittlerweile, gerade bei meiner neuen Gastmutter, sehr gut schmeckt. Dazu gehört Avocado-Salat mit Omelette, Reis mit Erdnusssoße und Hühnchen, Koliko (frittierte Yam oder Maniok) und zu guter Letzt auch Fufu (Maniok/Yam/Kochbananenbrei mit Fisch- oder Fleischsoße).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mittlerweile habe ich einige engere Freunde hier, von denen ich vermute sich nicht nur an meiner Hautfarbe zu orientieren. Als ich gerade in Kpalimé war um meine alte Gastfamilie zu besuchen, habe ich auf dem Weg wieder einige Menschen getroffen bei denen ich mich gefreut habe sie zu sehen. Den so gängigen togolesischen Small-talk habe ich schon recht gut drauf und ich kann mich mittlerweile auch freundlich und zügig vor dem eigentlich obligatorischen Small-talk drücken, falls ich keine Zeit oder keine Lust habe oder mir der Gegenüber suspekt vorkommt. Es gibt hier zum Beispiel einen ziemlich heruntergekommenen Mann, der täglich scheinbar durch die Straßen irrt und jedem Yovo den er trifft erzählt, er sei Milliardär, bräuchte aber aus irgendeinem Grund noch 20 Millionen; wie viele Millionen (in Francs CFA) man ihm denn geben könne?&lt;br /&gt;Wenn man mit Humor und Gelassenheit reagiert, geht am Ende fast immer jeder glücklich nach Hause. Da lohnt es sich, eine kurze Anekdote aus Lomé zu erzählen:&lt;br /&gt;Robert, Lina und ich wollen uns den Hafen ankucken. Angekommen, müssen wir uns sofort –und zum ersten Mal überhaupt- einer Pass(kopie-)kontrolle unterziehen und werden zu einem Soldaten geschickt. Wir müssen unsere Pässe als Pfand für die Visiteur-Ausweise hinterlegen und wollen das nicht. Die Kopien zählten nicht, die wären nichts wert. Als Lina ihren Internationalen Schülerausweis als Pfand hinterlegen will heißt es, für Studenten würde der eintritt generell verwährt. Warum? Weil es nicht erlaubt ist, deshalb.&lt;br /&gt;Nach langer Diskussion über Gott und die Welt und unter Erwähnung unsere deutschen und nicht französischen Identität werden uns letztlich 30 Minuten Besichtigung erlaubt, aber nur zwei Visiteur-Ausweise für uns drei gegeben, das müsse reichen. Warum? Wir sollten keine Fragen stellen. Vermutlich will der Soldat geschmiert werden.&lt;br /&gt;Beim Betreten von Block A werden wir abermals von Soldaten aufgehalten. Warum wir nur zwei Ausweise hätten? „Die dahinten haben gesagt…“ – „Die dahinten sind dahinten, hier sind wir“. Lange Diskussion, wir wären deutsch und wir würden ihnen Lina schenken, kein Problem. Warum wir Togo den Franzosen überlassen hätten? Scheiß Franzosen.&lt;br /&gt;Der Hafen an sich scheint nicht sonderlich spektakulär, aber wir haben auch fast keine Zeit mehr irgendetwas zu besichtigen. Alles eine Nummer kleiner und rückständiger als in Deutschland. Wir sehen einen Yovo-Hafenarbeiter, Matrosen aus Panama auf einem Containerschiff, Japaner auf einem Schiff aus Portugal. Globalisierung ist schon faszinierend.&lt;br /&gt;Beim Verlassen von Block A werden wir wieder aufgehalten, über die bösen Franzosen belehrt und vor der Lomé-Kriminalität gewarnt.&lt;br /&gt;Last but not least werden wir von einem Gendarmen der Migrationsbehörde beschlagnahmt, der nicht so locker reagiert wie die vorigen Soldaten und sauer darüber ist, dass man uns unsere Ausweise abgenommen hat. Wenn die nun verloren gingen?&lt;br /&gt;Er führt uns hinaus zu unseren Anfangssoldaten, die diskutieren auf EWE (oder so), am Ende sollen wir allen ein Bier ausgeben und dann sind wir entlassen.&lt;br /&gt;Das ist ein typisches wenn auch recht extremes Beispiel togolesischer Mentalität.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Französischkurs ist beendet und ich bin fließend. Der Ewe-Kurs ist auch vorbei. Das Müllprojekt ist ins stocken geraten, weil die Poubelles Publiques für die Entsorgung des Hausmülls missbraucht werden und die Verwaltung (Regierung) nun nicht mehr einsieht, die Entleerung der Mülleimer zu finanzieren. Was tun? Es soll nun über das Radio die Bevölkerung sensibilisiert werden, für die Abholung des Hausmülls zu bezahlen und sich über die sinnvolle Nutzung der öffentlichen Mülleimer bewusst zu werden.&lt;br /&gt;Die Abholung funktioniert übrigens so, dass von Zeit zu Zeit ein kleiner Traktor aus dem vorletzten Jahrhundert inklusiver Holzanhänger über die Schlaglöcher fährt, den Müll einsammelt und auf einem Haufen außerhalb entleert, wo der Müll dann verbrannt wird und in die Atmosphäre übergeht. Dann hat man die widerlichen Rauchschwarten zumindest nicht im eigenen Hinterhof.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vermischtes&lt;br /&gt;Vielen Dank übrigens für die Zahlreichen Links und Antworten auf die letzte Email, in der es um die deutsche Nachnamensforschung ging. Modestes Abschlussarbeitsprojekt wurde anerkannt und er kann seine Untersuchungen jetzt an seiner Uni in Benin (und nicht in Lomé, wie ich zuvor dachte) beginnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Togolesen in Kpalimé sind ein sehr kleinwüchsiges Volk und man sieht selten Jemanden, der so groß oder gar größer als ich ist. Man munkelt aber, dass die im Sudan lebenden Dinka im Schnitt 2,20m hoch sind und häufig wie Storche auf einem Bein stehen. Schon in Lomé kommen mir die Menschen großwüchsiger vor als in Kpalimé.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andere Länder, andere Sitten: Hier ist es Gang und Gebe, sich als Mann öffentlich im Genitalbereich zu kraueln. Auch uriniert wird öffentlich und überall, unabhängig von Geschlecht. Und dass mit den Händen gegessen wird hatte ich wohl schon einmal erwähnt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen hier sind auf Grund der körperlichen Arbeit alle viel muskulöser als der Durchschnittseuropäer. Ich habe selten einen so durchtrainierten ~40 Jährigen wie meinen jetzigen Gastvater Theodor gesehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Lehrer verdient umgerechnet ca. 110 Euro im Monat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen sind durch die Bank weg sehr unzufrieden mit der Politik der togolesischen Regierung, sauer auf die Franzosen und mögen die Deutschten. Warum und weshalb das so ist, werde ich in einem nächsten, ellenlangen Bericht erläutern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich würde mich freuen, wenn mich mal jemand hier besuchen kommt! Der afrikanische Alltag und das Leben hier ist eine einmalige und unglaubliche Erfahrung. Meine ersten Tage hier haben mich am meisten vom Hocker gehauen und hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Somit lohnt es sich auch einen nicht langandauernden Urlaub hier zu machen und die lokale Tourismusbranche zu stärken, auch wenn man vielleicht keinen tiefgründigen Einblick in die Kultur und das Leben hier bekommt. Außerdem sind authentische afrikanische Trommelnächte, Märkte, Urwald und Wasserfälle inklusive. Diarrhöe aber auch. Es gibt in Kpalimé wirklich günstige Hotels. Der Komfort reicht von der Kammer des Schreckens bis hin zur Kammer des Schreckens mit Klimaanlage. Von westlichen Komfortansprüchen muss man sich selbstverständlich loslösen. Flüge scheint es, wenn man sich immer mal wieder im Internet erkundigt, für ab 700€ (exklusive Studententarif bei AirFrance) Hin- und Rückflug zu geben.&lt;br /&gt;Interesse?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-4764118786981386768?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/4764118786981386768/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=4764118786981386768' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/4764118786981386768'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/4764118786981386768'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2008/12/3-bericht-aus-togo-oktober.html' title='3. Bericht aus Togo, Oktober'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-2120581062437494733</id><published>2008-09-10T05:05:00.000-07:00</published><updated>2009-01-21T06:05:35.371-08:00</updated><title type='text'>2. Bericht aus Togo, September</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;Zweiter Bericht&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Projekte&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Bis September habe ich mehr oder weniger Urlaub, aber nicht offiziell. Grund dafür ist, dass man als Zivi-Ersatzdienst-Leistener direkt nach 2 Wochen Vorbereitungsseminar per Gesetz ausreisen muss (so wurde es mir erklärt), die Projekte hier aber erst im September anfangen, da dann erst Schulanfang ist. Die genauen Projekte werden mir auf einem Seminar hier nächste Woche hoffentlich noch vorgestellt, für mich von Interesse sind da wohl vor allem &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style="margin-left: 36pt; text-indent: -18pt;"&gt;&lt;!--[if !supportLists]--&gt;-&lt;span style=""&gt;         &lt;/span&gt;&lt;!--[endif]--&gt;eine Behindertenschule, bei der ich Wohl Betreuer und Lehrer wäre&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style="margin-left: 36pt; text-indent: -18pt;"&gt;&lt;!--[if !supportLists]--&gt;-&lt;span style=""&gt;         &lt;/span&gt;&lt;!--[endif]--&gt;eine „Integrierte Schule“, wo ich blinde Mitschüler betreuen und unterstützen würde&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style="margin-left: 36pt; text-indent: -18pt;"&gt;&lt;!--[if !supportLists]--&gt;-&lt;span style=""&gt;         &lt;/span&gt;&lt;!--[endif]--&gt;eine Schule auf einem kleinen Dorf, 20km von Kpalimé, wo ich Englisch und Sport unterrichten würde. Dieses Projekt finde ich am Spannendsten, allerdings würde ich dann&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;in eine Gastfamilie auf dem Dorf ziehen müssen. Das ist ein Haken.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Es gibt zur Zeit (wegen Ferien) viele freiwillige Weiße in Kpalimé; meist Deutsche, Schweizer oder Franzosen. Das liegt daran, dass in Kpalimé am jeder Hausecke eine kleine NGO sitzt, und hier und da mal ein paar Freiwillige auf einem „Workcamp“ beschäftigt. Im Moment halte ich das noch für eine gute Sache, da die für die hiesigen Verhältnisse beachtliche finanzielle Unterstützung dieser kleinen NGOs durch die Partnerorganisationen im Ausland (und somit u.a. auch durch meinen Spenderkreis) direkt bei den Menschen ankommt, und nicht wie viele staatliche „Entwicklungshilfsgelder“ in den korrupten Strukturen der togolesischen Regierung hängen bleibt. &lt;/p&gt;                  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt;Die meisten Freiwilligen bleiben nur ein paar Wochen oder Monate, für ein Jahr bleiben bis her nur Robert und ich, so viel ich weiß. In meiner Gastfamilie wohnt noch eine andere Freiwillige, Sofia aus Würzburg, die bis Januar bleibt. Bei CDH (meiner Organisation hier) sind wir momentan 6 Freiwillige, von denen einige bald wieder abreisen aber auch noch Neue kommen werden.&lt;br /&gt;Im Moment habe ich für vier Wochen einen Französischkurs mit Robert (anderer FW meiner Organisation) und unserem Lehrer „André“, täglich von 16:00 bis 18:00 Uhr. Das ist nicht nur ein wirklich effektiver Französisch-Crashkurs, in dem die vier Jahre Mittelstufe-Französisch wieder aufgearbeitet werden, wir erfahren da auch sehr viel über Togo, das Leben, die Geschichte, die Menschen, die Probleme hier. Das ist super spannend, und ich merke jetzt schon, dass dieses Jahr sehr wichtig für mich ist. Ich werde hier vor Ort nicht viel reißen können, das wusste ich schon vorher. Aber die Erfahrungen die ich hier sammle sind sehr wertvoll und werden mir und hoffentlich nicht nur mir in der Zukunft helfen. &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;br /&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;Morgens von 8 bis 10 Uhr habe ich nun für zwei Wochen einen Ewe-Kurs, das ist in dieser Region Togos (und Ghanas) neben Französisch als Amtssprache die verbreitete Muttersprache. Heute haben wir ein Lied gelernt, das geht so: „Ich habe eine leckere Banane, du kriegst von ihr nichts ab, ich habe eine leckere Banane“. Klingt ganz gut.&lt;br /&gt;Neben dem Sprachunterricht arbeiten wir Freiwillige aber tatsächlich auch.&lt;br /&gt;Wir haben schon einige Zeit auf dem Feld verbracht und Bananenstauden, Reis und Maniok gepflanzt. Dass man das wirklich alles mit der Hand macht ist beeindruckend und es ist vor allem in der Hitze saumäßig anstrengend. Mit insgesamt rund 50 Leuten haben wir über fünf Stunden ein Reisfeld besäht, ein einziges großes europäisches Plantagenfahrzeug bräuchte dafür vielleicht zehn Minuten. Ehrlich. Aber dafür hat man 49 Arbeitsplätze mehr, ein bisschen weniger Abgase, und bodenschonende Mischkulturen (Banane und Maniok).&lt;br /&gt;Das ist mit Sicherheit keine sinnlose Arbeit, aber eine sinnvolle Hilfe sind wir 5 europäischen Freiwilligen wohl nicht.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;      &lt;p class="MsoNormal"&gt;Sinnvoller hingegen ist das Müll-Projekt, das auf Initiative unserer Vorgänger ins Leben gerufen wurde. Fast jeden Tag zementieren wir fast vier Mülleimer in die Lehmböden von Kpalimé. Die Arbeit selbst ist auch hier nicht besonders anspruchsvoll, aber die Initiative ist wichtig, denn das Projekt würde ohne Freiwillige wohl nicht laufen.&lt;br /&gt;Und unsere Produktivität haben wir auch schon mächtig gesteigert. Während wir am ersten Tag zu acht zwei Mülleimer aufgestellt haben, schaffen wir mittlerweile zu viert vier. Zwei mischen Zement, einer gräbt das Loch, einer hält den Mülleimer. Der Rest kuckt zu.&lt;br /&gt;Problematisch ist, dass CDH (Campagne des Hommes)&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;nur einen PKW hat, und da passt einfach nicht soviel rein. Das heißt man kann nur eine begrenzte Anzahl von Mülleimern mitnehmen oder man fährt mehrmals.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;        &lt;p class="MsoNormal"&gt;Da man normaler Weise ungefähr das isst, was man morgens vom Feld geholt hat und es keine Kühlschränke gibt und überhaupt viel „Müll“ zwangsweise wiederverwertet wird, entsteht für eine 70.000 Seelen-„Stadt“ vergleichsweise wenig Müll, aber doch so viel, dass überall welcher rumliegt. Das liegt vor allem daran, dass es keine Müllentsorgung gibt. Vorhandener Müll wird achtlos irgendwo hingeworfen oder auf der Straße verbrannt. Das ist vielleicht ein gutes Beispiel für eine Fehlentwicklung der Globalisierung: Industrieprodukte wie Plastik werden weltweit vermarktet und genutzt, das Wissen über die Entsorgung und bestehende Problematiken sind hier nicht vorhanden. &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;br /&gt;Apropos. Ein anderes Beispiel wären die Abgase hier. Manchmal kann man kaum atmen, weil Russfilter ein völliges Fremdwort hier ist. Besonders schlimm ist es hinter LKWs, wo man durch die riesigen schwarzen Rauchschwarten nicht mal mehr was sehen kann.&lt;br /&gt;Oder auch Fernseher. Verhältnismäßig viele Familien haben einen Fernseher, aber das, was man auch an europäischem Fernsehen dort vermittelt bekommt, kann nicht gut sein. Da werden u.a. über Werbung und Serien Werte wie materieller Wohlstand, prollige Autos, Handys, Alkohol etc. demonstriert, wonach so mancher hier dann strebt und lebt. So wird ein völlig schädliches Image von Europa und den Menschen und Werten dort geschaffen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;        &lt;p class="MsoNormal"&gt;Neben traditioneller togoischer Trommelmusik (die unglaublich abgeht und gut ist) und Pop-Musik aus Ghana, Elfenbeinküste, Nigeria und Südafrika (was ich bislang vernommen habe), stehen viele junge Männer hier auf ihre schwarzen Brüder in den USA. Leider repräsentieren die auch alle nur das „Bad-Boy“-Image, und auf „Postern“ in den Zimmern von einigen hier stehen dann neben den Rap-Ikonen Slogans wie „Bad and rich“, „be rich and happy“, „Bad nigga“ etc. Meiner Meinung nach auch bedenkliche „Role Models“ (Rollenmodelle?).&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen hier müssen lernen, mit bestimmten europäischen Einflüssen umzugehen. Das ist verdammt schwierig und stellt für mich bisher - neben einer starken Abhängigkeit von Hilfsgeldern und dem Ausland, mangelnder Hygiene, einem schweren Demokratiedefizit, Korruption und keinen sozialen Absicherungssystemen - eines der Hauptprobleme Togos (Afrikas?) dar.&lt;br /&gt;Recht wohlgenährt und glücklich sehen eigentlich die Meisten auf den ersten Blick aus. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Naja, zurück zum Müll. Es ist also wichtig, ein Bewusstsein über das Problem „Müll“ zu schaffen, und somit ist dieses Projekt ein sehr guter Ansatz und ein wichtiger Schritt in die richtige (nötige) Richtung.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Geburtstag und Krankenhaus&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Am 15. August bin ich 20 geworden. Morgens hat mir meine Gastfamilie freudig und kurz gratuliert, um 10 habe ich mich mit zwei meiner neuen Freunde und Robert (anderer FW) getroffen, und wir sind zusammen mit dem Moto-Taxi zu einem Wasserfall nahe den umliegenden Bergen gefahren. Das war richtig urwäldlich da und wir haben im Urwaldwasserfallfluss gebadet. Gegen frühen Nachmittag sind wir wieder nach Hause und da habe ich mich schon ein bisschen schwächlich gefühlt. Dann musste ich mich irgendwann übergeben – und zwar ordentlich – und dann noch mal und dann noch mal. Mein Gastvater kam dann abends und ich bin brav mit ihm ins Krankenhaus gefahren, wie es mir meine Tropenärztin in Deutschland bei jedem Malariaverdacht empfohlen hatte. Im Krankenhaus hatte das „Labor“ schon geschlossen, deshalb konnte ich keinen Malariatest machen. Also hat man mir einfach zwei Spritzen gegeben, eine in den Handrücken gegen Übergeben und eine heftige in die Pobacke präventiv gegen Malaria. Danach war mein Kreislauf dann gänzlich für die Katz. Keine Ahnung was in der Po-Spritze war, aber ich konnte ein paar Tage nicht mehr anständig sitzen. &lt;/p&gt;      &lt;p class="MsoNormal"&gt;Am nächsten morgen bin ich dann mit meinem Gastvater wieder ins Krankenhaus, um den Bluttest im Labor nachzuholen und festzustellen was ich überhaupt hatte. Das Ergebnis war: Kein Malaria, keine Würmer, keine Parasiten, bloß Magen-Darm. Also alles im Lot, ist wohl bloß die Nahrungsumstellung oder ich habe irgendetwas Falsches auf dem Markt gegessen.&lt;br /&gt;Darauf hatte ich eigentlich auch gewartet, ist im Togo-Travel-Paket halt inklusive, dafür hat man ja auch bezahlt.&lt;br /&gt;Mittlerweile ist wieder alles gut und ich bin wohl auf.&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Kirche, Religion, Gott&lt;/p&gt;                              &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Gott ist für die Menschen hier sehr wichtig. Überall sieht man Aufschriften wie „Jesus ist allmächtig“, „Vertraue in Gott“, „Gott ist groß“ oder „Gott ist Togolese“. Man kommt auch oft recht schnell auf Gott zu sprechen und es ist für viele hier nicht nachvollziehbar, wie man nicht an Gott glauben kann, denn Manchen geht es dabei nicht um Glaube sondern um ein wissenschaftlich nachgewiesenes Fakt.&lt;br /&gt;Es ist unglaublich wichtig an Gott zu glauben, weil es einem eine Menge Kraft und Halt gibt. Aber man sollte sich vielleicht auch nicht nur auf Gott verlassen und da war ich ganz glücklich, als ich in einer „Bar“ gelesen habe: „Vertraue Gott aber schließe dein Auto trotzdem ab“. Ich war nun schon das zweite mal am Sonntag hier in der „Kirche“, und so was hat man in Deutschland noch nicht erlebt.&lt;br /&gt;Kirchen gibt es hier ziemlich viele und ich nehme an, alle mit etwas verschiedenen Glaubensausrichtungen. Basis ist für die meisten das Christentum, es gibt aber auch viele Muslime und Voodoo-Praktizierende. Es gibt in Kpalimé eine prächtige katholische Kathedrale die sehr hervor sticht aus den Lehmwegen und Wellblechhütten drum herum. Die stammt noch aus der Kolonialzeit und für europäische Verhältnisse ist sie klein.&lt;br /&gt;Es gibt außerdem sehr viele „Kirchen“. Ganz realistisch beschrieben haben die alle das Carport-Format für vielleicht 4 Kleinwagen. Lehmboden, Bambuswände und Wellblech. Viele Holzbänke, ein paar Stühle, ein kleines mobiles Rednerpult, ein Schlagzeug, Trommeln, Keybord, große Boxen mit grausamem Sound. &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;br /&gt;Ich muss nicht in die Kirche, da meine Gastfamilie allgemein sehr fortschrittlich eingestellt ist. Aber ich gehe auf jeden Fall trotzdem noch einige Male hin, weil es eine tolle Erfahrung ist. An meinem ersten Sonntag saß ich original von 8:45 bis 14:00 auf einer harten Holzbank ohne Lehne.&lt;br /&gt;Die erste Stunde war eine totale Party und wäre ich gläubig wäre ich sofort konvertiert. Es wurde getanzt und gesungen und getrommelt und es war einfach super gut. Man hat hier zum Teil ganz andere und viel groovigere Rhythmen als in Deutschland, und während alle durch die Bank weg voll abgingen, habe ich dann Steif versucht meinen Vier-Viertel Takt zu finden und zu klatschen, es aber nicht geschafft.&lt;br /&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt;Es geht nicht so genau um die perfekt ausgefeilte Tonhöhe oder stimmige Rhythmen, sondern alle improvisieren (so kam es mir vor) etwas eigenes, ein paar schnappen sich schrecklich klingende Mikros, ein völlig schräges Keybord spielt, Trommeln, Schlagzeug und am Ende klingt alles unglaublich gut. Es geht nicht darum ob man irgendwie singen kann (Tanzen können sie alle), sondern alle sind einfach mit voller Hingabe und Freude dabei. Sowas würde in Deutschland nie funktionieren. &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;br /&gt;Nach der Party kam dann die Predigt, von der ich kein Wort verstanden habe. Der Pastor ist vielleicht 25 und kommt aus Ghana und spricht nur Englisch und Ewe. Die französische Übersetzung hat mir am ersten Sonntag noch gar nicht geholfen, am zweiten schon etwas mehr. Zwischendurch sagt der Pastor immer wieder „Praise the Lord“, alle anderen sagen einmal „Halleluja“ und weiter geht’s.&lt;br /&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;Nach der langen Predigt und abermaligem Tanz kam dann ein älterer Typ, der tatsächlich ein bisschen Furcht einflößend aussah und über den mir später erzählt wurde er wäre der Prophet.&lt;br /&gt;Und spätestens von da an wäre ich nicht mehr konvertiert. Der hat dann auch irgendetwas erzählt und sich ab und zu Jemanden raus gepickt und zur Sau gemacht. Alle haben tierischen Respekt und auf jeden Fall Ehrfurcht oder Angst vor dem. Gebetet wird hier nicht im Stillen oder individuell, sondern alle heben die Hände zum Himmel und reden laut hals, schreien, heulen, wälzen sich auf dem Boden oder gestikulieren, als stünde ihr Gott direkt vor ihnen. Ein unglaubliches und emotionales und etwas beängstigendes Spektakel. Als am Ende noch einmal alle zum Pastor hinmussten und ihm ihren Segen schenken oder sich bedanken sollten (oder so), sind wieder ein paar Frauen in Trance gefallen und umgekippt. Ich war am Anfang noch geschockt und dachte erst an einen epileptischen Anfall, aber das scheint völlig gewöhnlich zu sein. Viele Frauen haben dabei auch noch ihr Baby auf dem Rücken gebunden (das trägt man dort fast den ganzen Tag, egal wo oder bei welcher Arbeit), die wurden dann von anderen aufgefangen.&lt;br /&gt;Ich bin dann einfach auch mit nach vorne zum Pastor gegangen und habe mich bedankt und ihm noch einen schönen Tag gewünscht, war glaube ich eine ganz freundliche Geste.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ein paar Banalitäten aus meinem Leben hier und Antworten auf Fragen &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Fortbewegen tut man sich hier mit den „Moto-Taxis“, heißt Motorräder/Mofas die einen für wenig Geld überall mit hinnehmen. Einen funktionierenden Tacho habe ich hier weder bei Autos noch sonstwo nie gesehen, und auf ein Motorrad passen schon mal vier Leute und in einen PKW neun (vier vorne, fünf hinten). Die Straßen sind mehr Schlaglöcher als eben und Helme oder sonstigen Schutz gibt es natürlich nicht. Der letzte Freiwillige meiner Organisation in Kenia wurde 2005 überfahren und ist gestorben. Aber ich pass schon gut auf mich auf.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;W-Lan gibt es hier nicht. Ich schreibe meine Berichte auf dem Laptop vor und schicke sie dann von der Diskette (USB gibt es aber auch) vom Inet Café ab.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich schlafe unter einem großen Mückennetz und ich habe ein großes Bett, aber damit ich in der Nacht nicht gegen das Netz stoße und die Moskitos durchstechen schlafe ich immer diagonal. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Was ich am meisten vermisse… das ist hier echt anders als in England (wo ich die 11. Klasse verbracht habe). Während ich dort 2005/2006 nur Sehnsucht nach Freunden und Familie hatte, habe ich hier mittlerweile die ersten Zivilisations-Entzugs-Erscheinungen. Neulich habe ich gesündigt und mit beim „Inder“ (der verkauft einige, teure europäische Produkte) ein Dreierpack türkische Schokolade für einen Mordspreis gekauft weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Die war leider ein riesen Reinfall und ich habe immer noch eine Tafel. Vor allem das industrie-Essen vermisse ich. Ich bin kurz davor meine Gastgeschenksgummibärchen selbst zu essen und ich habe andauernd tierischen Bock auf einen Cheeseburger. Aber natürlich auch auf Nudelauflauf, Crepes und Spagetti Carbonara.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Dominique und Laure sind keine Zwillinge, sondern nur Halbgeschwister; Laure ist nicht die Tochter meiner Gastmutter Therese. Sie gehen zusammen in die Schule. Gerome (kleinster Gastbruder, 9 Monate) hängt den ganzen Tag, wie alle Babys hier, mit einem Tuch an den Rücken meiner Gastmutter gebunden.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Bisher habe ich noch keinen fluchenden Togolesen gesehen. Ich kenne noch überhaupt keine französischen Schimpfworte, da muss ich dann manchmal aufs Deutsche zurückgreifen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich wurde per Email spaßeshalber ermahnt, nicht bei rot über die Ampel zu gehen. Es gibt in Kpalimé weder Ampeln noch Bürgersteige.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Es gibt hier schon ein paar alte Leute. Aber&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;die Lebenserwartung liegt bei 50 Jahren (?) und das Durchschnittsalter ist 18 Jahre.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich war letzten Sonntag mit drei anderen Freiwilligen auf einer Voodoo-Zeremonie, weil wir durch das Trommelspiel angelockt wurden. Meine Hautfarbe ist hier öfters der Schlüssel zu verschlossenen Türen, und man wird freundlich in Empfang genommen. Da wurde viel getrommelt und in Extase getanzt und auch viel Alkohol konsumiert. Betrunken hat man wohl eine noch bessere Verbindung nach oben. Viele Leute waren geschminkt wie Indianer. Wir haben nicht verstanden was da abging und wollten auch nicht auf unsere Opferung warten, also sind wir bald wieder gegangen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-2120581062437494733?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/2120581062437494733/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=2120581062437494733' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/2120581062437494733'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/2120581062437494733'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2008/12/2-bericht-aus-togo-september.html' title='2. Bericht aus Togo, September'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-6708379934811519860.post-7483308236955509531</id><published>2008-08-10T05:03:00.000-07:00</published><updated>2009-01-21T06:06:18.784-08:00</updated><title type='text'>1. Bericht aus Togo, August</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;Das Seminar&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Ich bin am 25.7 mit all meinen Sachen aus Hamburg abgereist, zunächst nach Berlin aufs Vorbereitungsseminar meiner Entsendeorganisation. Dort waren wir insgesamt um die 70 „Zivi-Ersatzdienstleistende“ (heißt FSJler) und ein paar Teamer. Der Großteil der Seminarteilnehmer geht nach Lateinamerika, darunter Mexiko, Honduras, Bolivien, Ecuador. Nur vier gehen nach Afrika, 2 nach Kenia und Robert und ich nach Togo. Das Seminar hat sehr viel Spaß gemacht, weil einfach eine Menge knorke und interessante Leute dabei waren mit denen man sich was zu erzählen hatte. Themen des Seminars waren u.a. Diskriminierung, Kinderarbeit, Globalisierung, Asyl in Deutschland, Migration, Ausbeutung…kurz: 10 Tage interessanter Gemeinschaftskunde (Politik/Gesellschaft)-Unterricht, wovon man vieles schon wusste. Gelernt hat man dass Kapitalismus scheiße ist, auf Togo vorbereitet hat es kaum. Wir beiden Togo-Reisende hatten noch das Glück, dass ein Waschechter Togolese für zwei Tage da war, der seit sieben Jahren um sein Asyl- bzw. Bleiberecht kämpft, um monatlich 80 € seiner Familie in Togo überweisen zu können. Das war wirklich mal interessant und bewegend.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Die Reise &amp;amp; Lomé&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Vom Seminar ging es für uns Togolesen dann am 4. August nach Frankfurt zum Flughafen, und von da an war man schon ganz froh nicht ganz alleine reisen zu müssen. Wir sind über Nacht geflogen, ca. 7 Stunden nach Addis Abeba (Äthiopien), wobei wir allerdings kaum schlafen konnten, weil wir ständig wegen irgendwelcher Mitternachts-Mittagessen von den Stewardessen geweckt wurden. War sowieso nicht besonders bequem und vor allem zu kalt klimatisiert, aber gegen Ethiopean Airlines ist sonst eigentlich nichts einzuwenden. Addis Abeba war ziemlich verregnet und tatsächlich war die Stadt von oben nicht allzu stark von einer kleinen europäischen Stadt zu unterscheiden. Von Addis sind wir dann direkt weiter nach Lomé (Togo) geflogen, und Lomé sieht schon eher so aus wie man sich Afrika vorstellt (Ich zumindest). Bei youtube gibt es eine paar Videos aus Lomé, die einen recht realitätsnahen Eindruck vermitteln können. Sehr viele schwarze Menschen, Palmen, orangefarbene Lehm-“Straßen“, keine großen Häuser sondern viele kleine „Häuser“ aus Beton, Lehm, Wellblech und Holz, lauter Kinder die auf den Lehmwegen spielen – mal mit Sand, Stock, Reifen, Tasse, selten ein kaputter Ball - , fast ausschließlich kaputte und heruntergekommene Autos aus Europa, viele „Motos“ (Roller, Mofas), Ziegen, Hühner, Eidechsen, Frauen und Mädchen, die Wasser, Bananen, Stöcker, … auf dem Kopf tragen. Alle kucken uns Weiße an. Keiner scheint etwas zu tun, viele sitzen vor ihrem spärlich bestückten „Laden“ wo es etwas Wasser, mal Klopapier, Kakao, und sonstige Kleinigkeiten zu kaufen gibt. Diese kollektive „Armut“ zu sehen, wie ich sie mir natürlich nicht gewünscht aber erwartet habe zu erleben, ist doch etwas schockierend. Arm natürlich auch nur, wenn man europäisch vorgeprägt ist. Hier geht es jedem so, und da man seinen eigenen Wohlstand ja wohl an seinem Umfeld misst, geht es allen gut, schätze ich mal. Es läuft also, nur insgesamt auf einem ganz anderen Level als man es gewohnt ist. Es kommt schon vor, dass man einen TV oder DVD-Player sieht, Dusche hingegen habe ich bis heute noch keine funktionierende gesehen und Wasserklos sind die Rarität. Warmwasser hat man nicht und braucht man nicht. Absolut keines der hier fahrenden Autos würde in Deutschland durch den TÜF kommen. Es ist bestimmt überhaupt nicht übertrieben zu sagen, dass alle Autos die in Deutschland auf den Schrottplatz kommen in Togo noch gut 10 Jahre überleben. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Vom Flughafen hat uns Theo, ein etwas eigenartiger Typ von Campagne des Hommes (CDH), der Organisation hier für die wir Freiwilligen arbeiten, abgeholt. In einem „Auto“ sind wir dann irgendwohin gefahren wo wir bis zum nächsten morgen geblieben sind. Tagsüber sitzt man hier viel vor seinem Haus rum, kuckt, redet, schneidet sich mit einer Rasierklinge die Nägel, bewegt sich so wenig wie möglich. Im Moment ist Regenzeit, dass heißt ab und zu regnet es ziemlich viel und doll, aber nicht täglich zur selben Uhrzeit, wie ich ursprünglich dachte. Es ist für unsere Verhältnisse immer noch ziemlich warm und recht schwül. Bestimmt so 30°C, aber das kann ich nur schätzen. Ich freu mich schon auf die Trockenzeit.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Abends in Lomè sind wir mit Theo irgendwohin gefahren um den Chef von CDH, Horace, zu treffen. Den haben wir aber nicht gefunden, auch nicht nach langem rumfahren, rumtelefonieren, und andauernd laaaangem Warten an jeder dritten Straßenecke. Da haben Robert und ich dann schon mal daran gedacht, dass Theo uns eigentlich sonst wohin verschleppen könnte und wir müssten ihm blind vertrauen. Unsere gesamten Sachen waren währenddessen in dem Haus, wo wir am Nachmittag hingefahren waren. Da hätte locker jeder einbrechen können und hätte für den Rest seines Lebens in Togo ausgesorgt. Aber bisher lief alles gut. Am nächsten Morgen haben wir dann in aller Frühe auch Horace getroffen und sind mit ihm und Theo nach Kpalimé gefahren.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Kpalimé &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Haus &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;In Kpalimé sind wurden wir ganz spontan direkt zu unseren Gastfamilien gebracht. Alle Gastfamilien gehören zu CDH, und sind – vermutlich auch durch die Freiwilligen – für die hiesigen Verhältnisse recht reich. Nachdem was ich in Lomé erlebt hatte, habe ich mich richtig über die funktionierende Spülung im Klo gefreut. Klopapier gab es allerdings vorerst nicht, bloß alte Zeitungsschnipsel. Aber ich wohne in einem richtigen Haus mit Hof. Um fast alle richtigen Häuser inkl. Hof sind etwa 2m hohe Steinmauern gebaut. Warum weiß ich noch nicht genau, vielleicht zum Schutz in schwierigen Zeiten. Ich habe ein kleines Zimmer mit Bett und Matratze, ein Tisch und zwei Fenster mit Eisenstangen. In Deutschland käme das ganze einem Knast ziemlich ähnlich, aber hier ist das ganz normal und ich fühle mich wohl. Bettdecke / Kopfkissen gibt es nicht, man legt sich einfach auf die Matratze und schläft. Der Fußboden ist im ganzen Haus aus Beton, ist sehr praktisch zum sauber machen und sieht ziemlich oll aus. An den Decken sind im ganzen Haus (fast alle Häuser sind einstöckig) alte Wasserflecken, scheinbar regnet es manchmal etwas durch. Die Küche ist ein kleiner Raum mit Fenster. Darin ist ein Hocker, eine Ablage für schmutziges Geschirr, zwei Holzstäbe zum stampfen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Das Essen und Trinken&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Gekocht wird immer in offener Flamme, d.h. man stellt einen Topf auf eine Art andern Topf aus Ton (Ofen) indem Holzkohle drin ist und im oberen Topf kocht man das Essen. Bis auf das Fenster gibt es keinen Abluftschacht oder so, und immer wenn gekocht wird ist das ganze Haus verraucht. Meine Zimmertür kann man auch nicht zumachen, da hängt nur ein Vorhang vor. Zu essen hatte ich bisher einige gängige Gerichte mit Reis, Spagetti, Bohnen oder Brei. Der Brei ist entweder aus Mais, Maniok, Yam oder Kochbananen, und Brei ist man eigentlich jeden Tag. Dazu gibt es irgendeine Soße, fast immer mit Tomaten, Zwiebeln, mal Bohnen, oft etwas Fisch oder Hühnchenstückchen. Vom Fisch isst man eigentlich alles, neben Kopf und Flossen auch die Greten. Ich halt mich da meist noch etwas zurück. Mein kleiner Gastbruder isst sogar die Knochen vom Huhn. Zum Nachtisch Bananen, grüne Orangen, oder andere Früchte die ich nicht kenne und für die es auf Französisch kein Wort gibt, die aber gut schmecken. Zu trinken gibt es nur Wasser, morgens kann man sich auch Tee, „Kakao“ oder „Kaffee“ machen. Da es hier keine Kühe und keine Kühlschränke gibt, gibt es allerdings keine Milch. Stattdessen nimmt man so eine Art gezuckerte Kondensmilch, die süß und super ekelhaft ist. In Lomé wurde mir Kaffee und Kakao aufgezwungen und da habe ich echt fast gekotzt. Die Togoer trinken das Wasser aus dem Wasserhahn. Ich hab aber noch nicht raus gefunden wo das herkommt und mir wurde abgeraten davon zu trinken. Im Moment trinke ich noch Wasser aus 500ml Plastiktüten, die hier auch gängig sind. Bisher hat das Wasser immer sehr nach Plastik geschmeckt. Vielleicht steige ich doch wieder auf PET-Flaschen um, wobei es die hier auch nur zu europäischen Preisen gibt und kein Togoer auf die Idee käme oder das Geld hätte das zu trinken (350 CFA = 50ct die 1,5 Liter Flasche). Aber das PET-Wasser ist auf jeden Fall sauber und schmeckt sogar fast ganz normal.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Morgens isst man Brot, so eine Art Baguette. Mittags und abends isst man warm. Insgesamt schmeckt es aber doch lecker. Beim Fisch darf man halt nicht so genau hinkucken. Wie die ganzen Gerichte heißen kann ich mir noch nicht merken. Ich esse meistens alleine oder mit meinem Gastvater oder anderen Freiwilligen. Die ganze Familie isst nie zusammen. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Meine Gastfamilie&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Als Weißer steht man hier natürlich immer im Mittelpunkt. Auf der Straße kucken einen alle an, ein paar Leute grüßen, manche stellen sich vor, die Kinder winken und rufen „Jovo“ (=weißer). Nach meinem ersten tag hatte ich sofort 100 neue Freunde, und es werden täglich mehr. Viele kennen mich, aber ich kenn keinen. Meine Rolle als Weißer hier habe ich noch nicht ganz gefunden, und es ist schwer damit umzugehen. Ich bin für alle grundsätzlich reich und das stimmt einfach auch. Es ist Pflicht auf dem Markt hier zu handeln, und finde es im Moment noch ironisch und komme mir fast demütigend vor, wenn ich für einen Spottpreis ein dummes Gesicht mache, sage wie teuer ich das fände, und dann einen noch niedrigeren Preis aushandele. Aber wenn man sich über ein Jahr hier halbwegs integrieren will, kann man auch keine Jovo-Touri-Preise bezahlen. Es ist allgemein schwer, nicht in die Geber-Rolle zu verfallen. Als meine Gastgeschwister in meinen Koffer gekuckt haben sie erstmal tierisch gestaunt und haben mir dann sofort Duplo, Gummibärchen und Stifte abgenommen. Das meiste habe ich mir später heimlich zurück erobert, weil einige Sachen vielleicht auch noch für das Waisenhaus vorgesehen sind. Da ich ja nicht wusste in was für eine Gastfamilie ich komme, habe ich einfach mal alles Mögliche an Gastgeschenken oder sonstigen evtl. nützlichen Dingen mitgenommen. Auch so Sachen wie Kartoffelschäler, Feuerzeuge, Fußball, Frisbee, … &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Meine Gastfamilie ist absolut cool. Mein Gastvater heißt Richard („Rischah“), ist dick, sehr freundlich und lacht immer, kann ein bisschen deutsch aus der Schule (habe ich auch noch nicht ganz verstanden), locker und sympathisch. Er arbeitet für CDH u.a. auf dem Feld. Meine Gastmutter heißt Therese. Ich habe sie noch recht wenig gesehen, weil sie morgens bis abends arbeiten ist in Lomé. Aber sie ist auch sehr fröhlich und freundlich und nett. Ich habe 2 große Gastschwestern, Rita und Janne, die 14 und 15 sind und den ganzen Haushalt hier schmeißen. Die kochen für mich und die ganze Familie, waschen ab, fegen das Haus, machen die Wäsche. Was die hier machen grenzt für mich fast an Sklaverei oder zumindest Kinderarbeit, aber sie lassen sich auch kaum helfen. Meine Wäsche habe ich neulich schon einmal gewaschen. Das macht man im Hof in einem Eimer mit kaltem Wasser und Seife. Man reibt dann die Klamotten so an einander und haut ordentlich Seife dazu. Wird nie ganz sauber und riecht etwas eigenartig, vor allem wegen der hohen Luftfeuchtigkeit trocknet es nicht so gut und müffelt immer ein bisschen. Aber eigentlich stinken sowieso alle ein bisschen, weil man bei der Hitze immer sehr am schwitzen ist. Vor allem wir Jovos. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Weitere Gastgeschwister sind Laure (6), Dominique (6) und Gerome (0). Viele Kinder zu haben ist hier völlig normal. Laure und Dominiqe sind ober süß und nervig und kleben mir ständig an der Backe. Mit denen habe ich im Moment bei weitem am Meisten zu tun. Sind mir auch schon gut ans Herz gewachsen. Die schleichen sich ständig in Mein Zimmer und erschrecken mich. Abends klappt es immer am besten, weil sie in der Dunkelheit so gut getarnt sind. Hell wird’s hier übrigens um 5 Uhr morgens, es dämmert um ca. 18:00 Uhr und um 18:15 ist es stockfinster. Während ich gerade im Schneidersitz auf meinem Bett an meinem Laptop sitze und diese Email vorschreibe, liegt Dominque gerade mit dem Kopf auf meinem Bein und ist eingepennt.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;!--[if !supportEmptyParas]--&gt; &lt;!--[endif]--&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6708379934811519860-7483308236955509531?l=lennart-togo.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://lennart-togo.blogspot.com/feeds/7483308236955509531/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=6708379934811519860&amp;postID=7483308236955509531' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/7483308236955509531'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/6708379934811519860/posts/default/7483308236955509531'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://lennart-togo.blogspot.com/2008/12/1-bericht-aus-togo-august.html' title='1. Bericht aus Togo, August'/><author><name>Lennart</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10018562135406370013</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='24' src='http://4.bp.blogspot.com/_zNzbSxuv62I/ST_DevikBEI/AAAAAAAAALo/owp7Va6SDn4/S220/Pause.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
